Opfer von Familiendrama: Karlsruhe will Hilfe verbessern

Karlsruhe (che) In Karlsruhe wurde heute das Ergebnis einer Studie zu Familiendramen vorgestellt. Zwei Jahre lang hatte Diplom-Psychologin Alexandra Schmidt mit den Hinterbliebenen sogenannter innerfamiliärer Tötungsdelikte gesprochen. Die Jugendhilfen sollen dank der Ergebnisse nun ihre Beratungsangebote verbessern.

Eifersucht, Trennung oder Scheidung als Auslöser

Im November 2015 tötet ein Familienvater im Karlsruher Ortsteil Wolfartsweier seine von ihm getrennt lebende Frau und die beiden elf Jahre alten Zwillinge. Danach begeht er Selbstmord. Als die Polizei am Haus der Familie eintrifft gibt es eine Explosion und die Wohnung steht in Flammen. Das letzte Familiendrama, dass die Region Karlsruhe erschütterte, hinterließ keine Hinterbliebenen. Oft ist es jedoch anders. Kinder verlieren durch eine solche Schreckenstat ein Elternteil, häufig sogar beide. Der Mann tötet seine Frau, danach sich selbst oder er landet im Gefängnis. Die Kinder haben plötzlich keine Eltern mehr und sind stark traumatisiert. Eifersucht, Trennung oder Scheidung sind meist der Auslöser solch grausamer Taten. Die Betreuung der Opfer solcher Katastrophen ist eine Herausforderung für die Jugendhilfe.

Einsamkeit war schlimmer als die Tragödie selbst

In Karlsruhe wurden heute die Ergebnisse einer zweijährigen Studie vorgestellt, die Hinterbliebene von Familiendramen interviewt hatte. Sozialbürgermeister Martin Lenz unterstrich bei der Präsentation im Karlsruher Jubez die Bedeutung der Befragung: "Die Hinterbliebenen bleiben hinter den Schlagzeilen oft unsichtbar. Dabei suchen Betroffene ihren dringend benötigten Platz in der Welt", so Lenz über die Notwendigkeit, professionelle Betreuungsangebote zu schaffen. "Die Einsamkeit war und ist für mich viel schwerer auszuhalten als zum Beispiel mit solch einer Vergangenheit, mit solch einer Geschichte zu leben", berichtet eines der anonymen Opfer von den Problemen bei der Betreuung. Durch die Studie wollen die Verantwortlichen nun die "bemerkenswerte Lücke" bei der Jugendhilfe zu schließen.

Taten zwischen 1975 und 2008 untersucht

Insgesamt wurden bundesweit 14 Interview mit 13 Erwachsenem und einem Jugendlichen geführt, die alle von einem innerfamiliären Tötungsdelikt betroffen waren. Die Taten wurden zwischen 1975 und 2008 verübt. Wie sehr die Betroffenen unter der Situation leiden, zeigen Auszüge aus den Gesprächen:

Betroffene berichten

"Meine Verwandten haben es sicher nicht böse gemeint. Emotional kamen die unterbewusst nicht aus der Nummer heraus, dass ich die Tochter vom Mörder ihrer Tochter bin. Das haben sie so nie ausgesprochen, aber es schwang immer mit."

"Ich hatte Angst, dass ich etwas aus dieser schrecklichen Familie weitertransportiere, auch wenn ich es nicht will. Ich hatte mal einen Kinderwunsch, war auch schwanger, habe aber abgetrieben."

"Mich hat es aufgebaut, dass ich auch mal andere Sachen erlebe, als immer nur Schlägereien, Alkohol und Geschrei."

"Ich habe mich immer wie ein Alien gesehen. Außer mir hat auch niemand so eine bescheuerte Scheiße erlebt."

"Das Fazit ist tatsächlich, dass die Kinder eine besondere Unterstützung und Aufmerksamkeit brauchen, weil das ein plötzliches und sehr traumatisches Ereignis ist", bilanziert Susanne Heynen, bis Juni Jugendamtsleiterin in Karlsruhe, die die Studie federführend begleitet hat. "Die Praxis muss nun entscheiden, wieviel sie davon umsetzt. Wir werden alles dafür tun, um die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen", so Heynen.

 

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