Unbekannte Naturvielfalt mitten in der Stadt: „Alter Flugplatz“ in Karlsruhe unter Naturschutz

Karlsruhe (jfy) Trotz seiner Größe von 70 Hektar, ist er für viele noch unbekanntes Terrain: der „alte Flugplatz“ im Nordwesten von Karlsruhe. Vor gut 180 Jahren übten dort badische Soldaten für den Ernstfall. Als Notflugplatz für den Kriegsfall wurde das Gelände jahrzehntelang freigehalten. Seit 2010 steht der „Alte Flugplatz“ unter Naturschutz.

Der Weg dorthin war ein Kampf, denn nach dem Rückzug der „Amis“ in den 1990er Jahren war das Gelände dank der Nähe zu den öffentlichen Verkehrsmitteln vor allem für Immobilienhaie und der Stadt als Eigentümer eine willkommene Goldgrube. Das ist auch verständlich, schaut man sich die günstige Lage des Sandgebietes an, das zudem aufgrund seiner Trockenheit für die Landwirtschaft unbrauchbar ist. Dennoch wurde nach 20-jährigem Ringen das Gebiet, welches als größtes Sanddünen-und Sandrasengebiet Süddeutschlands gilt, auch als europäisches Schutzgebiet gemeldet. Insgesamt beherbergt das Gelände 80 Vogelarten, 100 Nachtfalterarten und 280 Arten von Blütenpflanzen.

Mensch und Natur im Einklang

Der Entschluss für die Natur, ist jedoch kein Entschluss gegen den Menschen. Im Gegenteil, denn wo sonst findet man zwischen grauen Gebäudekomplexen und dröhnenden S-Bahnschienen ursprüngliche Natur zum Entspannen und Durchatmen? Die Flora und Fauna stehe dennoch im Vordergrund und soll durch das Einhalten von wenigen Regeln der Besucher weiter Bestand haben: Das Befahren mit Motorfahrzeugen auf dem Gelände ist so genauso untersagt, wie das Pflücken von Pflanzen oder Füttern der Tiere. Ulrike Rohde vom Umwelt- und Arbeitsschutz der Stadt Karlsruhe ist es wichtig, dass das Gelände als Naturschutzgebiet und nicht als Naturpark gesehen wird. „Ich freue mich, wenn die Wege nicht verlassen werden, wenn das Gebiet geschätzt, der Müll mitgenommen wird und so jeder Besucher das Ambiente genießen kann“, so Rohde im Interview mit der neuen welle. Dank der extensiven Bewirtschaftung, bei welcher der Mensch kaum in die natürlichen Gegebenheiten eingreift, findet man am „Alten Flugplatz“ einen bedeutsamen Lebensraum, der in der gesamten Oberrheinebene nur selten vorkommt. Charakteristisches Merkmal dafür ist beispielsweise das Borstgras. Diese Art ist typisch für nährstoffarme Weideflächen, erzeugt jedoch das Bild einer trostlosen Savanne. Selbst Tiere wie Kaninchen meiden das Gras als Nahrungsmittel.

Warum wurde das Gebiet dennoch unter Naturschutz gestellt?

Die Antwort ist im Prinzip ganz einfach. Der „Alte Flugplatz“ ist in seinem Komplex aus Artenvielfalt einzigartig und gibt seltenen Tierarten ein Zuhause. Zu den besonderen Vogelarten zählen beispielsweise die Braun-und Schwarzkehlchen, sowie der Baumfalke und große Bestände seltener Wildbienen. Ein Wegfall dieser Arten wäre ein nur ein weiterer Eingriff in die Natur, verursacht durch den Drang des Menschen nach städtischer Weiterentwicklung. Der Beschluss war eine gemeinschaftliche Aktion von Naturschutzfachleuten der Stadt, des Regierungspräsidiums und von örtlichen BUND-Aktiven und dem BUND –Landesverband, heißt es auf der Internetseite vom BUND.

Veranstaltungs-Tipp im Rahmen der Heimattage

Im Rahmen der Heimattage 2017 möchte das Amt des Umwelt-und Arbeitsschutzes die Karlsruher Naturschutzgebiete von einer unbekannten Seite zeigen. Denn nur wenige Bürger wüssten, dass in Naturschutzgebieten auch landwirtschaftliche Produkte erzeugt werden. Am Sonntag, 23. April, um 10.30 Uhr eröffnet Bürgermeister Klaus Stapf die Reihe auf dem Alten Flugplatz. Pächter Fritz Gruber vom Storchenhof in Dettenheim stellt seine Weidetiere vor und verkauft von 10 bis 18 Uhr heimische Produkte wie Käse und Wurstwaren, die ganz oder teilweise auf dem Alten Flugplatz gewonnen wurden.

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