Karlsruhe (dnw). Zum Internationalen Tag der Patientensicherheit hatte das Diakonissenkrankenhaus am Donnerstag eingeladen. „Nach verschiedenen Zwischenfällen in unterschiedlichen Kliniken ist Patientensicherheit und Vermeidung von Fehlern zu Recht in aller Munde. Jeder Mensch möchte so behandelt und gepflegt werden, dass ihm kein Schaden entsteht.

Dennoch wird durch die täglichen Meldungen in den verschiedensten Medien, was alles in den deutschen Kliniken passiert, ein Bild vermittelt, das den Mitarbeitenden in den Krankenhäusern nicht gerecht wird. Es wird übersehen, was unter den zugestandenen Rahmenbedingungen schon alles getan wird für die Sicherheit der Patienten.“ Mit diesen Worten eröffnete Pflegedirektor Jürgen Schnebel die Veranstaltung. Was am Diakonissenkrankenhaus dafür getan wird, davon konnten sich die Besucher der Ausstellung im Foyer des Krankenhauses ein Bild machen. Neben aktiven Aktionen von Hygienemaßnahmen über die Sterilisierung von OP-Besteck bis hin zu Patientenarmbändchen gab es viel Anschauungsmaterial und Gesprächsmöglichkeiten.

„Wissen die immer noch nicht, wer ich bin?“
In den Vorträgen wurde ausführlich auf einzelne Themen eingegangen. So erklärte Dr. Benjamin Hartmann, Assistenzarzt der Anästhesie, Intensiv- und Rettungsmedizinin seinem Vortrag „Patientensicherheit im operativen Umfeld“ die einzelnen Schritte, die gegangen werden, um Fehler bei Operationen zu vermeiden. „Im sogenannten ‚Team Time Out‘ wird nochmal alles abgefragt, bevor überhaupt ein OP-Besteck angefasst wird. Viele Patienten wundern sich auch, wenn sie zum dritten oder vierten Mal nach Name, Geburtsdatum und OP-Grund gefragt werden, und denken, „Wissen die das immer noch nicht, müssten die das nicht wissen?“ Natürlich wissen wir es, aber es wird trotzdem bei jedem Ortswechsel noch einmal abgefragt. Nicht, weil wir nicht von den Kollegen informiert sind und es nicht wissen, sondern weil wir sicher gehen müssen, dass es sich auch wirklich um die richtige Person und die richtige OP-Seite handelt.“

Christiane Nuss, Hygienefachkraft, erläuterte das Thema „Infektionswege – Hygiene im Krankenhaus“ anschaulich in Beispielen, wie sich Bakterien, Erreger und Viren übertragen. „Wussten Sie, dass ein Noro-Virus durch Tröpfcheninfektion schon übertragen wird, wenn Sie sich mit einem Noro-Virusträger auf einen Meter Abstand unterhalten? Ein kräftiger Mensch kann mit einem Husten die Erreger 3 Meter weit streuen.“  Es sei sowohl für Patienten als auch für Besucher wichtig, dass sich die Besucher beim Kommen und beim Gehen die Hände desinfizieren, um keine Keime von draußen mit ins Krankenhaus zu bringen, aber auch keine Keime vom Krankenhaus mit raus zu nehmen.

In ihrem Vortrag Sturzprophylaxe im Krankenhaus wies Dr. Elke Wächter, Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie auf die Gefahrenquellen im Krankenhaus aber auch im häuslichen Umfeld hin und wie man diese beheben kann. „Häufig sind mehrere Faktoren für einen Sturz verantwortlich, selten nur einer. So kann man an verschiedenen Stellen ansetzen, Stürze zu vermeiden: zum einem Veränderungen im äußeren Umfeld vornehmen (zum Beispiel ein Nachtlicht einschalten statt im Dunkeln auf Toilette zu gehen, Stolperfallen wie Teppichkanten oder Kabel vermeiden), zum anderen kann auch Training und Mobilisation hilfreich sein. Außerdem gibt es viele praktische Hilfsmittel zur Sturzvermeidung.“ So Wächter. Von der Möglichkeit Fragen zu den Themen zu stellen, machten die Besucher rege Gebrauch.

Krankenhäuser ständig in der Kritik, zu wenig zu tun
Die Krankenhäuser stehen ständig in der Kritik, in Bezug auf Patientensicherheit zu wenig zu tun. Aus Sicht des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe müssen deutsche Krankenhäuser Hygienevorschriften noch gewissenhafter umsetzen. „Patientinnen und Patienten erwarten zu Recht, dass sie im Krankenhaus gut versorgt werden“, sagte Gröhe anlässlich des Internationen Tages der Patientensicherheit.

Der Leiter des neuen Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG), Christof Veit, erwartet schon in den nächsten Jahren nachweisbare Qualitätssteigerungen der Krankenhäuser in Deutschland. Sein Institut werde dabei „kritisch und fördernd“ helfen. Denjenigen, die nicht auf Qualität achten, werde man „auf die Füße treten“, so der Institutsleiter.

Infektionen in Bezug zu Personalmangel
Um die Zahl der vermeidbaren Infektionen zu reduzieren, hat das Bundesministerium dieses Jahr einen 10-Punkte-Plan vorgelegt. Danach erhalten Krankenhäuser künftig eine finanzielle Unterstützung mit dem Ziel, zusätzliches Hygienefachpersonal einzustellen und auszubilden. Dies sind wichtige und richtige Maßnahmen. Aber: Den Forderungen des Deutschen Pflegerats, mehr Pflegefachpersonen einzustellen, kommt der Gesetzgeber damit nicht nach. Auch bleibt offen, wie die Patientensicherheit in stationären Pflegeeinrichtungen gewährleistet werden soll. Die vom neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff erhoffte Verbesserung der pflegerischen Versorgung ohne eine angemessene Personalausstattung wird scheitern. Der Deutsche Berufsverband für Gesundheits- und Krankenpflege DBfK vertritt die Portion, dass die immer häufiger auftretenden nosokomialen Infektionen in Bezug zum Personalmangel stehen. Hier muss sich also auch etwas ändern um in der Patientensicherheit voran zu kommen.

Fehlerkultur statt Schuldzuweisungskultur
Ungewollte Behandlungsergebnisse sind nicht beabsichtigt und gehören dennoch zur medizinischen Versorgungswirklichkeit. Gehen sie auf Fehler zurück, so werden sie als „vermeidbare unerwünschte Ereignisse“ bezeichnet. Fehler sind ein wichtiger Hebel, die Patientensicherheit nachhaltig zu verbessern. Mittlerweile hat sich auch in Krankenhäusern die Einsicht durchgesetzt, dass Fehlern mit Sanktionen und Verboten nicht beizukommen ist. Im Diak arbeiten wir an der Fehlerkultur nicht an der Schuldzuweisungskultur. Wir haben erkannt, dass es Risikokonstellationen gibt, die in jeder Arbeitsumgebung die Entstehung von Fehlern begünstigen. Das Zusammenarbeiten vieler Menschen unterschiedlicher Berufsgruppen (im Diak sind es ca. 80), also in einem komplexem System mit hoher Arbeitsbelastung und das Fällen schneller Entscheidungen in Krisensituationen sind beispielhafte Risikokonstellationen, die für Gesundheitsberufe charakteristisch sind. In dieser Arbeitsumgebung, wie in allen anderen, machen Menschen auch Fehler. Entscheidend ist, dass die Analyse dieser Fehler zeigt, an welchen Stellen es Schwachpunkte gibt und welche Mechanismen greifen, um Schadensfolgen zu verhindern.

Nur wer anerkennt, dass auch in der Gesundheitsversorgung Fehler passieren, wird deshalb die Fähigkeit haben, erfolgreiche Strategien zur Verbesserung der Patientensicherheit zu entwickeln. Die Entdeckung und Analyse von Fehlern ist ein wichtiger Wissensquell, aus dem man für die Zukunft lernen kann.

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