Kleingärtner gegen Stadtverwaltung: "Werden Parzellen nicht kampflos räumen!"

Karlsruhe (che) Die Kleingärtner in Karlsruhe gehen wegen des Flächennutzungsplans 2030 auf die Barrikaden. Die Stadt möchte Flächen, auf denen derzeit drei Kleingartenanlagen zu finden sind, als Bauland ausweisen. Mit einer Petition wollen die Gärtner den Oberbürgermeister nun überzeugen, seine Meinung nochmals zu ändern.

Gartenfreunde gegen Stadtverwaltung

Die Gartenfreunde Karlsruhe verwalten im Auftrag der Stadt und des Landes die gesamten Kleingartenflächend er Fächerstadt. Die Stadt möchte nun aber Bauland für den Flächennutzungsplan 2030 ausweisen, welches zurzeit noch Kleingartenfläche ist. "Wir sind der Auffassung, dass es genügend Freiflächen gibt, die man bebauen kann beziehungsweise versiegelte Flächen, die man nach dem Entsiegeln bebauen könnte", argumentiert Alfred Lüthin, Vorsitzender und Geschäftsführer der Gartenfreunde.

Kleingarten als Frischluft- und Klimaschneise

Die Kleingartenanlagen, laut Lüthin wichtig als ökologischer Bereich, als Frischluft- und Klimaschneise, sollten nicht umgesetzt, sondern an ihren Standorten belassen werden. "Wir wollen dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung mit der Petition zeigen, wieviel Bürger doch anderer Meinung sind und dafür plädieren, dass die Anlagen erhalten bleiben", so Lüthin. Viele Kleingärten seien schon so alt, dass sie einen Umzug nicht mehr mitmachen würden. "Die Pächter könnten ihre Gärten, die seit Jahrzehnten bewirtschaften, ganz verlieren und hätten ebenfalls aus Altersgründen keine Möglichkeit mehr, neu anzufangen!"

Migranten sollen nicht erneut aus ihrer Heimat vertrieben werden

Lüthin stellt allerdings auch den integrativen Einfluss von Kleingärten in den Vordergrund: "Wir haben fast 45 Prozent Pächter in jeder der drei Anlagen mit Migrationshintergrund, die schon mal in ihrem Leben aus der Heimat vertrieben wurden. Jetzt sollen sie das Stück Heimat, dass sie sich bei uns im Kleingarten aufgebaut haben, wieder verlieren und umgesiedelt werden", erklärt Lüthin. Am 30. März wollen die Gartenfreunde bei ihrer Delegiertenversammlung die ersten Unterschriften an den Oberbürgermeister übergeben. "Wir sind nicht bereit, unsere Parzellen kampflos zu räumen!"

Tausende Euro für Mooswand oder Kleingärten erhalten?

Ein weiterer Punkt, den Lüthin aus aktuellem Anlass anfügt, ist die Feinstaub-Diskussion in der Landeshauptstadt Stuttgart: "Die wollen dort für mehrere tausend Euro eine Mooswand bauen, die den Feinstaub filtern und die Luft verbessern soll. Da kostet auch der Unterhalt noch jede Menge Geld, dabei ist das doch genau der Sinn und Zweck einer Kleingartenanlage: Feinstaub filter, Luft verbessern und das Klima regulieren", wundert sich Lüthin über die Pläne im Süden.

Wer sich über die Petition informieren möchte, klickt hier!

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