Hoch gelobte Filmauswahl: Internationale Filmfestspiele in Karlsruhe

Karlsruhe (pm/ame) Am Sonntagabend fanden die Independent Days|17. Internationale Filmfestspiele Karlsruhe mit der großen Award Gala ihren krönenden Abschluss. Zehn Filmpreise im Gesamtwert von über 10.000 Euro wurden verliehen und sowohl die Zuschauer als auch die Filmemacher zeigten sich begeistert vom Charme des Karlsruher Filmfestivals.

Filmemacher aus Südkorea, Weißrussland und Frankreich dabei

Über 2.200 Besucher zog es trotz der warmen Temperaturen in die Schauburg zu den 28 Filmprogrammen, den Filmworkshops, Networking-Events und kreativen Speeddatings. Insgesamt liefen an den fünf Festivaltagen von Mittwoch, 5., bis Sonntag, 9. April 2017, 164 Filme aus 45 Ländern. Von den Filmemachern hochgelobt wurde die sehr gute Qualität der Projektion der Schauburg, die deutlich höher als bei vielen anderen Festivalkinos sei. Aber auch die Filmauswahl der Independent Days wurde sehr gut bewertet. Über 50 Filmemacher waren angereist, um ihren Film persönlich dem Publikum zu präsentieren, darunter Filmemacher aus Südkorea, Ägypten, Weißrussland, Jordanien, England oder auch Frankreich. Zudem konnte in diesem Jahr eine Delegation aus Karlsruhes Partnerstadt Nancy begrüßt werden, die aus Musikkompositions-Professoren und fünf Studierenden der MAI – Music Academy International bestand. Diese werden nun gemeinsam mit dem Filmboard Karlsruhe an verschiedenen Filmprojekten arbeiten.

Hochkarätige Leistungen der Filmemacher gewürdigt

Zu Beginn der Award Gala liefen die sechs Finalisten des Publikumspreises, dem Filmpreis der Stadt Karlsruhe, „Die Goldene ID2017“, der mit 1.500 Euro dotiert ist. Hier waren vom Publikum aus den sechs Vorrundenblöcken die Bestplatzierten weiter gewählt worden: „About Arif“ (Regie: Hasan Kalender, Türkei 2016), „Game Night“ (Regie: Jan van Gorkum, Niederlande 2016), „Nyerkuk“ (Regie: Mohamed Kordafani, Sudan 2016), „Shit“ (Regie: Felix Kapfer, Frederik Schubert, Jialu Hu, Deutschland 2016), „House Arrest“ (Regie: Matthias Sahli, Schweiz 2015) und „Walking Home“ (Regie: Max Richert, Deutschland 2016). Nach der Filmpräsentation des sehr gut besuchten Abends ging es an die Stimmauszählung.

Der Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe geht in diesem Jahr an „PITTER PATTER GOES MY HEART“ (Österreich 2015) von Christoph Rainer. Dieser nahm den mit 2.500 Euro dotierten Preis von Sparkasse Karlsruhe-Vorstand Marc Sesemann entgegen. „Kann ein Film, in dem ein Anti-Krampfader-Werbeshooting von zentraler Bedeutung ist, stimmig, schön und hochgradig unterhaltsam sein? Das Herz der Jury sagt: Ja!“, so Jurymitglied Alain Curtois, Creative Producer bei Action Concept.

Der mit 1.500 Euro dotierte Filmpreis der Stadt Karlsruhe, „Die Goldene ID2017“, ging an „Game Night“ (Niederlande 2016) von Jan van Gorkum. Stellvertretend für die Stadt Karlsruhe überreichte Stadträtin Elke Ernemann den Preis. Mit einer Videobotschaft bedankte sich Regisseur Jan van Gorkum, der selbst nicht persönlich an der Award Gala teilnehmen konnte. „Ein Spieleabend mit einem jungen Paar und den Eltern des Jungen gerät aus den Fugen und wird für das Mädchen zum wahren Alptraum. Perfide und äußerst schwarzhumorig wartet der Film mit überraschenden Wendungen auf, bis zum fulminanten Ende, das die Eskalation perfekt macht“, so die Würdigung der Festivalleitung.

Der Newbie-Award für das Beste Erstlingswerk geht an „True“ (Deutschland 2016) von Simon Schneider. Dieser habe alles, „was es für einen guten Thriller braucht: die düstere, klaustrophobische Atmosphäre, in die der Protagonist immer weiter herein gezogen wird, wirkt erschreckend und beklemmend zugleich und man wird sich gewahr, dass die nur allzu oft als gewinnbringende Technologie gelobte digitale Form der Kommunikation auch viel zu viele Schattenseiten besitzt. Ein Film, der zum Nachdenken anregt und auch hinterher lange nachklingt“, so Festivalleiter Oliver Langewitz bei seiner Laudatio.

Der Female-Award für die Beste weibliche Regiearbeit geht an „IM perfekt“ (Ungarn 2016) von Zsuzsanna Koszti. „Der Film beeindruckt durch seine stimmige und spannende Dramaturgie, präzise Dialoge, meisterhafte Bilder und nicht zuletzt überzeugende Schauspieler“, erklärt Jurymitglied Dana Cebulla die Juryentscheidung. Der Preis wurde von der Firma Media Plan gestiftet.

Der Indie-Award für den besten abendfüllenden Spielfilm zeichnet einen Dokumentarfilm aus: „Alptraum – Das letzte Abenteuer“ (Schweiz 2016) von Manuel Lobmaier. Der Geschäftsführer des Preisstifters, die IAVF Antriebstechnik GmbH, Dr. Bernhard Kehrwald, überreichte den mit 1.000 Euro dotierten Preis an den überglücklichen Regisseur des Films. „Der Zuschauer wird auf eine authentische Reise mitgenommen und kann schonungslos miterleben, wie sich Manu und Robin auseinanderleben. Der Mut zu dieser Doku sowie die gelungene Authentizität sind eine spannende Konstellation und so haben die beiden Filmemacher den Award völlig zurecht verdient“, betont Jurymitglied Serdar Dogan, seines Zeichens selbst Regisseur.

Erstmals in diesem Jahr wurde der mit 1.000 Euro dotierte Roncalli-Forum-Filmpreis verliehen. Dieser geht an „On the pulpit“ (Polen 2016) von Tomasz Wiśniewski. Der Leiter des Roncalli-Forums, Dr. Albert Käuflein, erläuterte die Jury-Entscheidung: „Der Protagonist des Films gewinnt Kraft und Zuversicht aus seinem Glauben und meistert sein Leben unter schwierigsten Umständen. All das dokumentiert der Film in vorzüglicher Weise.“

Bereits zum zweiten Mal wurde im Rahmen des Short Shortfilm Awards ein Kurzfilm bis maximal fünf Minuten Laufzeit ausgezeichnet. „METUBE 2: AUGUST SINGS CARMINA BURANA“ (Österreich 2016) von Daniel Moshel darf sich über 500 Euro vonseiten des Preisstifters, den Badischen Neuesten Nachrichten, freuen, der ihm von Marketing-Leiter Joachim Braun überreicht wurde. „Mit Metube2 hat Regisseur Daniel Moshel einen Kurzfilm inszeniert, der auf den Zuschauer wie ein visuelles Leuchtfeuer wirkt. Eine irre Geschichte wird mit einer entfesselten Kamera, überraschenden Visual Effects und überzeugender Choreografie zu einem filmischen Spektakel montiert – und das alles zu dem fulminanten Chorsatz „Oh Fortuna“ aus Carmina Burana“, so Jurymitglied Andreas Jüttner, Stellvertretender Ressortleiter Kultur der BNN.

Der mit 1.500 Euro dotierte Georg Fricker-Filmpreis für die beste osteuropäische Produktion geht an „Souls Dead“ (Weißrussland 2016) von Victor Krasovskiy. „Als Plansequenz, also ohne Schnitte mit Steadicam gedreht, bleibt der Zuschauer immer mittelbar am gezeigten Geschehen dran, wechselt die Handlungen und Perspektiven erzwungenermaßen mit, was aber das ganz Besondere an diesem Film darstellt. „Souls Dead“ gelingt es über die gesamte halbstündige Dauer, einen Mikrokosmos aufzubauen und für jedes noch so kleine Detail zu begeistern, sodass man am Ende fast traurig ist, dieses Geschehen hinter sich lassen und wieder in die Realität des Kinosaals zurück kehren zu müssen“, so Festivalleiter Oliver Langewitz.

Der ZEUS-Award für die beste schauspielerische Leistung wurde von Carsten Kipper stellvertretend für den Preisstifter, die VOLLACK Gruppe, überreicht. Hierbei handelt es sich um eine Skulptur des Künstlers Andreas Helmling. Als „Best Actress“ wurde Susi Stach für ihre Leistung in „DEADLOCK“ (Österreich 2015) ausgezeichnet, „Best Actor“ wurde Lucas Prisor für seine Darstellung in „Samira“ (Deutschland 2016).

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