pfoschdeschuss (23): Doppel-Eigentor, Fernseh-Pils & Seepferdchen-Abzeichen

Karlsruhe (pfo/ame) Nirgendwo schlägt das Herz für den echten Fußball höher als in den unteren Spielklassen. Der Torwart telefoniert während des Spiels mal kurz mit der Ehefrau, der Top-Stürmer verlässt nach einem Hattrick den Platz, weil er zur Nachtschicht muss und der Schiedsrichter pfeift Abseitssituationen auf Zuruf. Genau das macht den Amateurfußball so liebenswert. Wir berichten immer am Freitag gemeinsam mit Oliver Raupp von pfoschdeschuss.de über das Wichtigste aus Karlsruhes Unterklassen. Wer das nicht liest, hat den Fußball nie geliebt.

Sturz in die Drittklassigkeit

Zu Beginn der Woche mussten wir erfahren, dass Mirko Slomka (polnisch: Strohhalm) nicht der optimale Strohhalm für den KSC bedeutete. Nach seinem ersten Training schrieben wir eine Kolumne, in der wir damals schon ausdrücklich darauf hinwiesen, dass dieser Trainer zum KSC passt, wie ein fisherman‘s-friend-Dragee zum Gurkensalat. Wir haben damals schon propagiert, dass man sich eher einen jungen frischen Coach à la Kwasniok an der Außenlinie wünscht, als Richard Gere in der Lindenstraße, nachdem er keine Rollen mehr bekam. Hoffenheim, Freiburg, Mainz … um nur ein paar Beispiele zu nennen, wie Trainersuche im Jugend beziehungsweise niederen Bereich funktioniert. Monate später, nachdem der KSC-Karren meterhoch im Morast feststeckt, haben das auch die »Manager« beim Hardtwald-Club festgestellt. „Gut Ding muss Weile haben!“ Schützt aber nicht vor einem Sturz in die Drittklassigkeit. Was noch schlimmer wiegt und dem Verein in allen Belangen schadet, ist das Benehmen einiger Fans beim Lokalkampf in Stuttgart. Diese Leute haben mit Fußball so viel am Hut wie der Bachelor mit Donald Trump. 

Kevin-Keegan-Gedächtnis-Spiel

Kommen wir zum erfreulichen Teil des Fußballs in der Fächerstadt. Da ich am Samstag verhindert war, startete ich meine Tour, die eigentlich keine Tour, sondern eher einem Besuch glich, bei meinen alten Freunden vom SV Schwarz-Weiß Mühlburg. Familiäres Ambiente; Fernseh-Pils und C-Klassen-Kick. Der SC Schielberg war zu Gast am Mühlburger Bahnhof und lieferten sich mit dem Gastgeber in einem Kevin-Keegan-Gedächtnis-Spiel „Kick & Rush“ der feinsten Sorte. Zweimal Langholz; zweimal Brenner und „de Käs war gesse“ (2:0).

Zwei Elfmeter in sechs Minuten

Christian Specker, Schiedsrichter beim Verbandsligaspiel der SpVgg Durlach beim renommierten Deutschen Meister von 1949, VfR Mannheim, sträubte sich gegen ein torloses Geplänkel und pfiff präventiv zwei Elfmeter in den ersten sechs Minuten. Beide Male siegte Schütze über Schützer und es stand früh 1:1. Ein weiterer Treffer fiel nicht mehr. Aue’s Lokalmatador, der ASV Durlach, zog es bei sommerlichen Temperaturen vor, baden zu gehen. Bademeister, SG H-Kirchheim, half den Recken zum »Seepferdchen« und düpierte die Müller-Jungs am eigenen Beckenrand mit einem 5:2.  

„Mehr Tore erzielen als der Gegner!“

Kreisklasse C, Staffel 2, kleines Stutensee-Derby in Staffort. Die „Zweite“ der Hausherren erwartet die „Zweite“ des SV Blankenlochs. Die Hoffnung des ersten Sieges einer Stafforter Herrenmannschaft im Rückrundenbetrieb sollte Nahrung erhalten. „Mehr Tore erzielen als der Gegner“ ist in der Regel ein probates Mittel Siege zu erlangen. Drum schossen die Schwarzweißen (Staffort) drei; dem SV Blankenloch II gelangen zwei - Endstand 1:4. „Nanu!“ Die heimischen Pietschmann und Bier trafen ins eigene Netz. „Na, dann mal Prost!“ 

FG Rüppurr II siegt mit 5:0

In der C2 reiste der FC 1921 Karlsruhe II zur Rüppurrer FG II in den Brunnenstückweg. Favorit - ganz klar - die FG II, die um die Meisterschaft fighten, während die Gäste den letzten Tabellenplatz der Liga zieren. FC-Coach-Damek lobte seine Jungs zur Halbzeit, denn das 0:0 war Lob einer tollen ersten Hälfte. Was dann genau in der fünfzehnminütigen Pause passierte, ist uns nicht übermittelt. Es muss ermüdend gewirkt haben. Zwanzig Minuten später zückte Schiri, Wiedmann, zum fünften Mal den Stift; und nicht um den Brunftruf des Sperlings im angrenzenden »Rieberger Grün« zu skizzieren. Die FG Rüppurr II schoss soeben den Endstand von 5:0.

Platz-Generalprobe für den Karlsruher FV

Unweit entfernt ist die DJK Rüppurr zuhause - nur eine Mannschaft im Wettbewerb angemeldet, die in der C1 wirkt. Der Karlsruher FV war zu Gast und die werden bekanntlich im kommenden Jahr ihre Heimspiele bei der DJK Rüppurr ausüben. Drum konnten sich die Schwarzroten in aller Ruhe schon einmal den Platz anschauen. Dass schienen die Jungs des Altmeisters sehr ernst genommen zu haben; während die Rüppurrer wohl Fußball spielten. Anders ist ein 10:0 der Hausherren nicht zu erklären.

Bruchhausen reist mit neun Toren nach Hause

Zehn Treffer sahen wir auch in der B2, beim Kellermatch, SG Siemens Karlsruhe gegen den FV Alemannia Bruchhausen II. Die Mitglieder der „dreisten Drei“ am Tabellenende erzeugten einen einseitigen Kick, bei dem die „Werkskicker“ Spaß hatten und die gastierenden Alemannen öfter im beziehungsweise am Mittelpunkt standen, wie ihnen lieb war. Mit einem 1:9 im Gepäck reiste das Schlusslicht aus Bruchhausen in die Heimat.

Der Twitter-Trump-Vergleich

Schnelle Wäsche auch am Haberacker. Der TSV Oberweier (A2) gewann die letzten beiden Saisonspiele - die Serie schien unaufhaltsam fortgesetzt zu werden, denn auch der TSV Schöllbronn fand kein Mittel, die neue Stärke der „Kästeigel“ zu unterbinden. Nach einer Stunde stand‘s 1:0 für die Heimmannschaft. Nun aber brachen die Dämme beim TSV aus Oberweier, wovon der TSV aus Schöllbronn profitierte. Präsent, wie Donald Trump bei Twitter, zückten die „Meckel“ ihre Waffen und bogen das Scharmützel binnen einer halben Stunde zu einem imposanten 5:1-Auswärtssieg.    

Völkersbach gewinnt in Rheinstetten

Der SC Neuburgweier (B2) ist unangefochten der Spitzenreiter der B2. Zwanzig Spiele waren die »Weirer« unbesiegt, wovon der SV Völkersbach nicht sonderlich beeindruckt erschien. Schiri Casazza hatte mächtig Arbeit in einem herdheißen Kick und zog zwölfmal Gelb, einmal Gelbrot. Der SV Völkersbach gewann 2:1 und beendete die Serie der Rheinstettener. 

Wenn dem Tabellenschlusslicht ein Treffer reicht

Zweite Sensation binnen acht Tagen. B1-Schlusslicht, Germania Neureut II, konnte am vergangenen Wochenende völlig überraschend die SpVgg Olympia Hertha Karlsruhe, Tabellenführer der Liga, schlagen. Ein Treffer reichte dem Letzten. Hertha-Verfolger, Karlsruher SV, freute sich und rieb sich die Hände, um sich acht Tage später die selbigen ins Gesicht zu stemmen. Schlusslicht, Germania Neureut II verließ soeben das ehrwürdige Nordstern-Stadion. Wieder schoss der Letzte ein Treffer und abermals reichte es zum 1:0-Sieg beim Karlsruher SV. Umso ärgerlicher - weil die SpVgg Olympia Hertha erneut sein Spiel verlor. 

Doppel-Eigentor-Pack

Was war denn da los? Die Reserven aus Aue und Reichenbach spielten im Oberwald-Stadion drei Punkte im A2-Bereich aus. Ein Spiel das Jonas Bender wohl nie vergessen wird. Der Reichenbacher schoss drei Treffer und brachte den Gegner, Aue II, recht früh mit 2:0 in Führung. Ein Doppel-Eigentor-Pack des Waldbronners binnen acht Minuten. Damit nicht genug, denn einmal traf der Reichenbacher noch ins Auemer Tor (4:1). Walter Beisel, eigentlich ein besonnener Mann der Schiri-Zunft, zückte siebenmal Gelb, zweimal Gelbrot und einmal Rot (Resultat 5:2).

Tolle „Geste“ der Stickel

Bleibt zum Schluss noch eine Geschichte, die ein Fairplay in der Lotte-Siebler-Anlage beschreibt. Wolfartsweier gastiert bei der Südstern-Reserve. Nach einer Stunde Spielzeit lag ein ASV-Spieler am Boden; Südstern II will den Ball ins Aus spielen während ein Spieler des Gastes der Absicht einen Strich durch die Rechnung macht, den Ball stibitzt und Peluso bedient, der den staunenden Keeper umkurvt und zum 2:3  einschiebt. Ich muss zugeben, dass die „Ballrauskickerei“ in den letzten Jahren Überhand nimmt. Was früher nur bei Kopfverletzungen stattfand, wird heute selbst bei einer Blähung vollzogen, womit natürlich auch viel Schandluder betrieben wird, wenn beim Führenden plötzlich die Strategen, wie Äpfel auf den Streuobstwiesen, fallen, um Zeit zu schinden. Pro und Contra liegen hier nah beieinander. In dem Fall zeigte sich der Gast reumütig und ließ den Südstern-Kicker, Dettweiler, nach dem Anspiel ungehindert durchlaufen, damit dieser zum 3:3 ausgleichen konnte. Tolle Geste der „Stickel“ … Mit einem 4:4 endete die Partie nach neunzig Minuten. 

Erster gegen den Zweiten der Landesliga

Da am kommenden Wochenende nur Landes- und Verbandsliga auf dem Plan stehen, kann ich ihnen den Kick, ATSV Mutschelbach gegen den FC Espanol Karlsruhe, empfehlen. Erster gegen Zweiter der Landesliga. Am Montag um 15 Uhr treffen die beiden Kontrahenten in der Waldenserstraße in Mutschelbach statt. Alternativ ein Derby der Verbandsliga. Der FC Germania Friedrichstal erwartet um 16 Uhr den TSV 05 Reichenbach. Ihnen liebe Leser ein schönes Osterfest, cholesterinarme Eier und kohlenhydratreiches Kaltschalengetränk zum Hasenbraten. Allahopp, euer Oli

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