Martin Lehmann-Waldau

Karlsruhe (tra). Die Arbeitsgemeinschaft Mediation Karlsruhe (agm) existiert seit 2008 in Karlsruhe. 24 Mitglieder sind derzeit in der Arbeitsgemeinschaft aktiv. Martin Lehmann-Waldau (45) ist eines davon. Der Rechtsanwalt und Coach ist seit 2013 Mediator in der Arbeitsgemeinschaft. Mit regio-news.de-Redakteurin Tanja Rastätter hat er unter anderem über die Arbeitsgemeinschaft, seine Tätigkeit und seine Motivation gesprochen.

Was macht die Arbeitsgemeinschaft Mediation?

Martin Lehmann-Waldau: Es steckt im Namen, dass wir uns für die Mediation einsetzen. Zum einen haben wir einen klaren regionalen Fokus hier in Karlsruhe, und zum anderen haben wir als klares Ziel die Sensibilisierung der Bürger für Möglichkeiten der Streitlösung, die jenseits des klassischen gerichtlichen Klageweges liegen. Das Verfahren der Mediation will Ergebnisse erzielen, die für alle Beteiligten befriedigend sind.

In welchen Bereichen kommen Sie zum Einsatz? Wer sind ihre „Kunden“?

Lehmann-Waldau: Prinzipiell arbeiten wir als Mediatoren vor allem in den Bereichen, in denen die Beziehung der Streitenden wichtig ist. Nicht von ungefähr kommt die Mediation, also das Verfahren nach der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung, aus dem Bereich der Familie. Denken Sie an Erbstreitigkeiten, aber auch natürlich an Paarthemen wie etwa Kommunikationsprobleme, Rollenabstimmungen bis möglicherweise hin zu Trennung, Vermögensauseinandersetzung und Umgang mit den Kindern. Aber auch im Bereich des Jobs ist es häufig ein Anliegen, Meinungsverschiedenheiten zu lösen, ohne gleich im kompletten Ärger auseinander gehen zu müssen. Denken Sie an Probleme innerhalb von Teams oder in dem Verhältnis zwischen Führungskräften und Teams. Unbearbeitete Irritationen können hier leicht zu Eskalation und auch wirtschaftlichen Schäden für alle Beteiligten führen. Ein anderer großer Themenbereich sind die nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen. Die meisten Mediationen finden wohl noch immer im Bereich Familie/Erben statt, aber auch die Wirtschaftsmediation ist inzwischen ein stark nachgefragtes Feld geworden. Brandaktuell sind Versuche, die Mediation als Werkzeug im Bereich der Flüchtlingshilfe einzusetzen, denn hier wimmelt es offensichtlich von Konflikten.

Wie finde ich den richtigen Mediator?

Lehmann-Waldau: Mediatoren sind beratende Dienstleister. Das bedeutet, dass ein wichtiges Auswahlkriterium darin besteht, dass Sie als Kundin selbst der Mediatorin vertrauen. Sie müssen eine Kompetenzvermutung und eine grundsätzlich positive Einstellung in die Allparteilichkeit des Mediators haben. Um die Suche in der Region Karlsruhe zu erleichtern, bieten wir von der agm eine Vermittlungsstelle an, die eine erste Auswahl im Vorfeld treffen kann. Wir vermitteln nur zertifizierte Mediatoren, die uns persönlich bekannt sind und die zugesagt haben, ohne große Wartezeit in den Fall einsteigen zu können. Das entsprechende Angebot finden Sie auf unserer Webseite www.agm-ka.de

Bei welchen Fällen können Sie helfen…

Lehmann-Waldau: Ich habe im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit gelernt, mich mit Einschätzungen sehr zurückzuhalten. Ich habe schon in Fällen Lösungen erzielt, in denen ich von der ersten Kontaktaufnahme an wüst beschimpft worden bin. Konflikte bedeuten meist Nachteile für beide Seiten. Darin liegt die Motivation, nach Lösungen zu suchen. Die Situationen sind oft sehr komplex und meine Erfahrung ist, dass jeder Unterstützungsversuch eine Veränderung bewirkt.

… wo wird eine Hilfe eher schwierig?

Lehmann-Waldau: Zunächst einmal müssen weitere Verletzungen psychischer oder gar physischer Art eingestellt werden. Wenn es nicht gelingt, eine Pause in der Konfliktspirale zu vermitteln, dann ist es eigentlich unmöglich, nach Lösungen zu suchen.

Welche alternativen Wege der Konfliktlösung empfehlen Sie?

Lehmann-Waldau: Auch unserem Rechtssystem ist die Einigung und die Vermittlung nicht fremd. Das Interessante dabei ist, dass sie zum einen meist durch eine Respektsperson durchgeführt wird (die Richterin) und dass sie oft von den Parteien als ein Verlust wahrgenommen wird („der Richter wollte halt kein Urteil schreiben“ hört man dann). Die aktive gemeinsame Suche nach Lösungen wird oft gar nicht als Möglichkeit wahrgenommen. Das trifft übrigens auch auf viele meine Anwaltskollegen zu, die noch immer relativ selten zu einer Mediation mit anwaltlicher Begleitung raten.

Was kostet mich ein Mediator?

Lehmann-Waldau: Sie werden jetzt nicht überrascht sein, dass es hier große Spielräume gibt. Die meisten unserer Kollegen rechnen nach Stundensätzen ab, die grob gesagt zwischen 100 bis 250 Euro liegen, je nach Expertise und Thematik. Die Kosten werden dann zumeist auf beide Parteien gleichermaßen aufgeteilt.

Wie wird man Mediator? Wie kann ich Mitglied werden?

Lehmann-Waldau: Es gibt zahlreiche Ausbildungen, die vom Bundesverband Mediation anerkannt sind. Eine solide Grundausbildung sollte mindestens 100 Zeitstunden plus Fallbearbeitung umfassen. Als Mediator ist es wichtig, Vorkenntnisse aus anderen Bereichen mitzubringen, um dann gut und flexibel auf die beteiligten Menschen einzugehen. Ich würde betonen, dass, wie bei jedem guten Berater, eine Portion Lebenserfahrung sehr wichtig ist. Bei uns in der agm können alle regional tätigen und nachweislich ausgebildeten Mediatoren Mitglied werden.

Was reizt Sie an der Arbeit als Mediator?

Lehmann-Waldau: Natürlich liebe ich es, Lösungen zu erarbeiten. Aber noch viel mehr genieße ich die Menschlichkeit, die im Lösungsfindungsprozess zu sehen ist. Wir ringen in unseren Leben alle mit ganz ähnlichen Themen. Wenn es gelingt, Kontakt und Verständnis zwischen Menschen aufzubauen, dann verändert sich unser ganzes Erleben. Es sind diese Momente, die mich immer wieder berühren und mir das Vertrauen geben, mit dem ich mich dem nächsten, scheinbar ausweglosen Konflikt widmen kann.

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