Mirko Slomka im Interview: "Ich habe noch keinen Transfer-Wunschzettel!"

Karlsruhe (che) Rund 600 Fans des Karlsruher SC standen beim ersten Training unter dem neuen Chefcoach Mirko Slomka an den Seitenlinien. Großer Druck, enorme Wertschätzung oder beides für den 49-jährigen Trainer? Im Interview spricht Slomka über das Abenteuer KSC, mögliche Neuzugänge im Winter und seinen Bootsführerschein.

Herr Slomka, wie kommen Sie zu dem Abenteuer Karlsruher SC?

Es ist ein spannender Auftrag, finde ich. Eine sehr große Herausforderung, einen Traditionsverein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen und natürlich sind die Gespräche immer alles entscheidend. Seit dem ersten Gespräch mit Ingo Wellenreuther, Günther Pilarsky und Oliver habe ich gemerkt: hier gibt es Zusammenhalt, hier will jemand gemeinsam etwas erreichen und verfolgt eine Vision, irgendwann mal wieder in eine gute Position zu kommen, in der man gegen den HSV bereits war, um in die erste Liga aufzusteigen. Jetzt geht es aber um den Klassenerhalt und sicher hat mich Oliver Kreuzer auch geholt, weil ich das mit Hannover und Hamburg jeweils schon geschafft und habe und ungefähr weiß, was für die Spieler wichtig ist.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der Mannschaft?

Positiv. Der erste Eindruck insgesamt ist sowieso positiv. Die Begrüßung war sehr nett, die Fans, die in großer Anzahl da waren, sind mir sehr freundlich gegenüber getreten und waren interessiert. Das Training heute war intensiv, relativ lang. Ich wollte mir schnell ein Bild von den Spielern machen, was sie technisch können, wie sie mit dem Tempo umgehen, wie sie auch mal mit einer härteren Ansage während eines Spiels umgehen und da war heute schon viel drin. Ich bin positiv gestimmt.

Sie haben bereits einige Pläne verraten, unter anderem das Nachwuchstraining angesprochen. Es ist schon alles auf Langfristigkeit ausgelegt und nicht nur auf die eineinhalb Jahre, die Sie unterschrieben haben?

Ich hoffe, dass wir hier eine sehr lange Zusammenarbeit haben, aber unabhängig davon sind auch eineinhalb Jahre sehr lang und ich finde, dass diese Verbindung zum Nachwuchs, die wir erarbeiten wollen, für den KSC wichtig ist. Es gibt nicht so viele Transfermöglichkeiten mit großen Summen, insofern muss man im eigenen Stall gucken und hier gibt es zwei Mannschaften: die U-19 und die U-17 spielen jeweils in der Bundesliga und da muss es Talente geben, sonst würden sie da nicht spielen. Wir haben mit Marc Meister einen Trainer aus dem Nachwuchsbereich dazu genommen, der bei uns die Gelegenheit bekommt, in den Profibereich hinein zu schnuppern. Wir wissen es ja aus der Bundesliga: die Trainer aus dem eigenen Stall sind gefordert und wir würden gerne dazu beitragen, dass er hier die entsprechende Weiterentwicklung erhält. Mein erstes Telefonat war so positiv, dass ich gesagt habe: das ist der Mann, den Zlatan Bajramovic und ich an unserer Seite wollen. Somit haben wir, finde ich, eine sehr gute Mischung. Ich bin ein sehr erfahrener Trainer, Zlatan ist ein ehemaliger Profi, der in vier Vereinen in der Bundesliga und der 2. Liga gespielt hat und mit mir bereits in Hamburg war und mit Marc einen Trainer, der aus dem Nachwuchs kommt und dort schon beim HSV und bei Borussia Dortmund gearbeitet hat. Ich glaube das ist ein Trainerteam, worauf sich die Mannschaft freuen darf.

Sehen Sie noch Handlungsbedarf in Form von Transfers? Steht noch ein Spieler auf dem Wunschzettel?

Ich habe noch keinen Wunschzettel formuliert, weil ich auch mit den Verantwortlichen das so vereinbart habe, dass wir zuerst die Mannschaft kennenlernen wollen. Wir haben ja einen relativ großen Kader, stehen vor dem Trainingslager und ich glaube, dass wir in den ersten zwei Wochen schon nochmals sagen können, dass uns hier und da ein Neuzugang helfen und unterstützen könnte, aber das kann und möchte ich jetzt noch nicht sagen.

Wie glücklich sind Sie denn, dass es gleich ins Trainingslager geht?

Die Temperaturen waren ja ansprechend heute (lacht), insofern ist es immer leichter, bei guten Temperaturen den ganzen Tag mit der Mannschaft zusammen zu verbringen, weil man mehr Zeit auf dem Platz hat. So wie hier muss man immer aufpassen, dass niemand auskühlt und in Spanien habe ich die Gelegenheit, in Einzel- und Gruppengesprächen daran zu feilen, was ich mit der Mannschaft vorhabe, die Spieler auch kennen zu lernen. Das ist mir schon wichtig, dass wir uns schnell gegenseitig beschnuppern können.

Was konnten Sie sich aus der Hinrunde bereits anschauen? Wie intensiv haben Sie das nach Ihrer Zusage beobachtet?

Ich habe mir ganz viel angeschaut. Ich weiß es ja schon ein bisschen länger und hatte frühzeitig den Kontakt zu Oliver. Insofern haben wir durch die modernen Medien die Möglichkeit, jeden Spieler, ganze Spiele, Teile von Spielen, Auszüge aus den Spielen der letzten Jahren uns anzuschauen und das hat etwas Zeit gekostet in den letzten Tagen und Wochen, sich da einen Eindruck zu verschaffen. Der beste Eindruck ist aber immer auf dem Trainingsplatz dabei zu sein. Bei der Ansprache mit der Mannschaft zu sehen, inwieweit sie sich auch persönlich einbringt. Das kann man auf Video nicht sehen, sondern nur auf dem Platz.

Sie wollen sich bei der Kaderplanung noch etwas Zeit lassen. Inwieweit macht das Transfers noch schwieriger, weil man als KSC in der Nahrungskette nicht ganz oben steht?

Natürlich ist es so, dass dann vielleicht der ein oder andere Spieler woanders zusagt, der jetzt wechseln möchte. Ich glaube aber, dass wir relativ klare Gedanken haben und ich möchte überprüfen, ob diese Gedanken auch gut zur Mannschaft passen. Wenn nicht, muss man hier und da eine Veränderung vornehmen. Ich finde, dass jeder diese Chance verdient hat und ich glaube, dass die Höchstleistung bei einer Mannschaft herausgefiltert werden kann, wenn sie denn selbstbewusst ist und voller Willen steckt. Das ist etwas, für das wir als Trainerteam verantwortlich sind. Das wollen wir herauskitzeln und das werden wir im Trainingslager sehen, wenn wir unsere Wettkampfspielchen machen und uns taktisch auf die Rückrunde vorbereiten. Das ist das alles Entscheidende. Wenn wir dann merken, dass es hier noch an Schnelligkeit fehlt, da noch an Robustheit, hier noch an Zweikampfstärke, dann müssen wir reagieren. Es muss aber nicht sofort sein.

Es gibt erfahrene Trainer, wie beispielsweise Christian Streich vom SC Freiburg, die sagen: Der Unterschied zwischen erster und zweiter Bundesliga ist größer als man denkt. Inwiefern haben Sie sich darauf eingestellt?

Ich habe mit Christian gemeinsam den Fußballlehrer gemacht. Deswegen kennen wir uns sehr persönlich und sehr gut und ich glaube, er hat Recht. Das ist schon ein großer Unterschied, insbesondere weil die Konstanz bei den Spielern in der zweiten Liga eher nicht so da ist, wie in der Bundesliga. Das über 90 Minuten jede Woche abzurufen fällt ihnen schwer. Aber auch das ist eine Aufgabe, die wir als Trainer annehmen müssen, den richtigen Spieler für jedes Wochenende auszuwählen. Auf diesen Auftrag freue ich mich. Das ist ganz entscheidend, dass man den notwendigen Willen und das Selbstvertrauen hat. Das kommt natürlich nur über den Erfolg und daran müssen wir jetzt arbeiten, dass wir diese kleinen Erfolgserlebnisse im Training haben und dann auch im Spiel umsetzen können.

Sie waren etwas mehr als zwei Jahre nicht im Amt und haben diese Zeit für eine Menge anderer Dinge genutzt. Was stand da im Vordergrund?

Auf jeden Fall Kopfarbeit, mal wieder etwas zu lernen, etwas Anderes zu machen. Auch mal Prüfungen ablegen, die man gar nicht auf dem Zettel hat. Ich habe beispielsweise den Bootsführerschein gemacht für die See, was auch anspruchsvoll ist, aber Spaß gemacht hat. In erster Linie geht es für uns Trainer allerdings darum, Spiele zu sehen. So wie jeder Sportler trainieren muss, um besser zu werden, ist es für einen Trainer wichtig, Spiele zu sehen, Neuerungen zu erkennen, sich auf Spieler einzustellen und das habe ich in erster Linie gemacht. Darüber hinaus aber auch die andere Seite nochmals krasser kennengelernt, als ich für das Fernsehen gearbeitet habe. Das macht auch Spaß. Ich weiß jetzt, dass Sie auch unter Druck stehen. Das muss man als Trainer auch wissen, dass es nach dem Spiel manchmal schnell gehen muss, um Informationen zu erhalten. Ich glaube, es waren sehr intensive und auch sehr spannende zwei Jahre, aber ich freue mich auch, diesen Hauptberuf wieder ausüben zu können.

Das Feedback der Fans ist so ein bisschen, dass Sie der große Heilsbringer sind. Nicht wenige erwarten von Ihnen, dass Sie über das Wasser laufen können. Ist das Druck für Sie oder gehen Sie damit entspannt um?

Christoph Daum ist mal über heiße Kohlen gelaufen, aber das kann ich auch nicht. Im Ernst: ich habe mir diesen Job ausgesucht. Ich weiß, dass ich immer unter Druck stehe. Ich freue mich, dass die Fans so zahlreich da waren und dass sie viel von mir erwarten. Das heißt, dass ich letztendlich bei meinen letzten Stationen vielleicht ein gutes Bild hinterlassen habe und ich nehme diese Herausforderung mit großer Freude an.

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