Zlatan Bajramovic: "Je mehr Mentalitäts-Bestien, desto besser spielen wir!"

Karlsruhe (dnw) KSC-Co-Trainer Zlatan Bajramovic zu Gast bei Wackers KSC-Show. Die beiden sprechen über Bajramovics Zeit als Spieler bei St. Pauli, über den Rückrunden-Auftakt im Wildpark und über die neuen Jungs im Kader des Karlsruher SC.

Martin Wacker: Los geht es mit der Gefühlslage. Das erste Pflichtspiel der Rückrunde liegt hinter dem KSC, du als Co-Trainer an der Linie, und dann so ein Spiel bei dem ich behaupte das war ab der 60. Minute Nervenkrieg pur, wie hast du es empfunden?

Zlatan Bajramovic: Ganz genau so. Ich glaube ich habe ein paar graue Haare mehr bekommen. Gleichzeitig habe ich mich aber auch richtig für die Truppe gefreut, weil sie nach dem Rückstand echt gut zurückgekommen ist. Der Sieg war extrem wichtig, damit wir Arminia Bielefeld ein bisschen auf Distanz halten können.

Das war ja die erste Begegnung mit dem Wildpark quasi in Aktion, zum ersten Mal die Atmosphäre mit den Fans gespürt. Wie war das für dich?

Positiv. Die Zuschauer haben richtig gute Stimmung verbreitet. Trotz des Rückstands, trotz der nicht ganz so guten ersten Halbzeit hat man die Fans wirklich laut und positiv gehört. Ich denke, das hat die Mannschaft auch aufgenommen und eine gute Reaktion gezeigt.

Du bist der neue Mann an der Seite des neuen Cheftrainers Mirko Slomka. Wie viel Slomka hat man denn am Sonntag im KSC gesehen ab der 60. Minute?

Ich glaube schon, dass ein gewisser Anteil da war. Nach drei Wochen natürlich noch nicht alles, aber dass die Jungs es schaffen nach einem Rückstand zurückzukommen, das wäre vorher meiner Meinung nach so nicht passiert. Das sieht man alleine an der Torbilanz der Hinrunde: insgesamt elf Stück und jetzt im ersten Spiel der Rückrunde gleich drei – die Mannschaft hat an sich geglaubt. Das haben wir auf jeden Fall in den ersten Wochen jetzt schon bewirkt.

Ich nenne ihn jetzt mal „Kempinho“, wie es ganz viele schon tun. Sein Tor, das ist ja irgendwie schon Tor des Jahres für mich. Dennis Kempe hat sich richtig was getraut, wie viel Anteil hat da deiner Meinung nach der neue Teamgeist?

Im Training habe ich schon viele solcher Tricks von ihm gesehen, dass diese Aktion so im Spiel jetzt auch klappt, ist natürlich super – ich hoffe er macht das noch ein paar Mal.

Wir wollen dich aber natürlich auch noch ein bisschen besser kennenlernen. 1989 als Hamburger Junge in die Jugend vom FC St. Pauli, 1998 das Profidebüt, 2001 Aufstieg mit dem FC St. Pauli. Wie viel Pauli steckt denn in Zlatan?

Extrem viel. Die ganze Motivation und Mentalität habe ich aus meinen St. Pauli-Zeiten, das hat mich schon sehr geprägt. Es war eine super Zeit bei dem Verein, ich habe dort Höhen und Tiefen erlebt. Kurz vorm Abstieg aus der zweiten Liga, dann der Aufstieg in die erste Liga. Da habe ich in meinen jungen Jahren schon extrem wichtige Sachen erlebt. Und auch eine wichtige Sache, die bei Pauli nicht so oft vorkommt: in meiner A-Jugendzeit haben wir im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gespielt. Das war auch echt eine super Jugendgruppe mit dem Ivan Klasnic zusammen, so dass meine Pauli-Zeit eine super Zeit war.

Und wie viel von genau dieser Mentalität kannst du zum KSC mitnehmen?

Vieles davon kann man mitnehmen. Egal ob hier beim KSC oder auf St. Pauli: die Fans sind in beiden Städten mit großer Leidenschaft dabei. Und ganz egal in welcher Liga man spielt, die Mentalität spielt eine extrem große Rolle. Je mehr sogenannte Mentalitäts-Bestien in der Mannschaft sind, desto erfolgreicher ist man.

Aber man braucht natürlich auch Spieler die aus wenig ganz viel machen. Dein nächster Club war so einer, der SC Freiburg. Wie war die Zeit dort für dich.

Nach St. Pauli war das auf jeden Fall der nächste Schritt für mich, gleichzeitig aber auch irgendwie eine Art "Kulturschock". Wenn man aus Hamburg losfährt und dann auf einmal hier ist und Berge sieht, ist das dann schon etwas anderes. Aber die Zeit bei Freiburg war extrem erfolgreich für mich. Sowohl als Mannschaft, mit dem sofortigen Wiederaufstieg, als auch für mich persönlich. Dort habe ich mehrere Saisons hintereinander gut gespielt und meine alten Qualitäten wiederentdeckt. In der Jugend habe ich auch als Stürmer gespielt, dann wurde ich immer weiter zurückgestuft, war irgendwann dann defensiver Mittelfeldspieler. Aber mit meinem offensiven Kick habe ich dann in Freiburg recht viele Tore gemacht und demnach zum Erfolg der Mannschaft beigetragen.

Dann ging es für dich aber zu Schalke 04 und dort bist du immerhin fünf Mal bei der Champions League zum Einsatz gekommen und trotzdem hattest du dort nicht deine beste Bilanz.

Nein, was die Tore angeht überhaupt nicht. Aber trotzdem habe ich auch dort mit ganz vielen Mentalitäts-Bestien zusammengespielt, ganz vielen Spielern, die eine richtige Gier haben zu gewinnen, der Druck war natürlich auch höher. Immerhin standen wir dann kurz vor der Meisterschaft, haben es dann im vorletzten Spiel beim Erzrivalen Dortmund vergeigt. Das war natürlich schade, weil wir es eigentlich drin hatten, aber so ist der Fußball eben manchmal.

Du hast auch schon das Nationalwappen von Bosnien-Herzegovina auf der Brust getragen, ganz stolz als Kapitän. 35 Spiele, zwei Tore – so sieht die Bilanz aus. Wie schaust du selbst zurück auf diese Zeit.

35 Spiele und drei Tore (lacht). Das möchte ich kurz richtigstellen. Die Zeit in der Nationalmannschaft war für mich mit das Emotionalste, was ich miterleben durfte. Wir haben uns zwar für keine WM oder EM qualifiziert, auch wenn wir ganz oft ganz knapp dran waren, und trotzdem war es eine wunderschöne Zeit für mich. Was mir besonders gefallen hat: im internationalen Fußball wird extrem viel laufen gelassen, nicht gleich alles abgepfiffen und das liegt mir.

Und wie sind die Fans?

Die Bosnier sind extrem euphorisch. Das Stadion ist total klein weil nicht in der Hauptstadt gespielt wird. Da passen nur knapp 14.000 Zuschauer rein. Aber die Fans sind so laut und das Stadion ist auch immer schon zwei Stunden vor Anpfiff voll, das geht unter die Haut.

Jetzt bist du ja Co-Trainer. Welcher Trainer in deiner Zeit als Spieler hat dich denn besonders geprägt?

Ich würde sagen, dass mich jeder ein Stück weit geprägt hat. Von allen habe ich sehr positive Erlebnisse mitgenommen, Negative natürlich auch. Vor allem hat mich Joachim Philipkowski vom FC St. Pauli in meiner Jugend durchweg begleitet und demnach auch stark gefördert.

Los ging deine Trainerkarriere ja auch beim FC St. Pauli, dort warst du Jugendtrainer und dann bist du zum HSV – wie war das für dich als „Paulianer“?

Ja damals war das im ersten Moment kein cooles Urteil, als Spieler wäre es vielleicht ein gutes gewesen. Die Zeit bei St. Pauli ging dann einfach irgendwann zu Ende für mich und dann bin ich quasi rüber zu den Rot-Hosen und habe auch dort eine super Zeit gehabt in der Jugend.

Und ohne den Wechsel zum HSV hätte es ja auch nicht die Begegnung mit Mirko Slomka gegeben. Wie war denn das erste Treffen?

Wir kannten uns ja damals schon aus Schalker Zeiten, da war er mein Trainer. Und wenn ich mich recht erinnere, kennen wir uns eigentlich sogar schon aus Freiburger Zeiten. Da musste ich im letzten Spiel mit Freiburg gegen Schalke antreten. Schalke durfte nicht verlieren, damit sie in der Champions League bleiben und da wurde ich dann für Freiburg eingewechselt und habe unser Tor vorbereitet, da habe ich mich dann auch ein bisschen unwohl gefühlt. Aber trotzdem hatten Mirko Slomka und ich eine super Zeit bei Schalke und als dann die Anfrage beim HSV kam, ob ich Mirkos Co-Trainer werden will, habe ich auch nicht lange überlegt, weil wir uns immer super verstanden hatten.

Und als der Anruf dann vom KSC kam, von Mirko Slomka und die Anfrage dich als Co-Trainer zu engagieren. Wie war da deine Reaktion? Und wie stehst du zum Trainer-Gebilde? Mit dem Jugendtrainer Marc-Patrick Meister?

Die Konstellation könnte besser gar nicht sein. Marc ist wirklich ein super Typ mit viel Fachwissen. Mit ihm haben wir eine noch bessere Verzahnung zur Nachwuchsabteilung. Das passt einfach sehr gut.

Neue Spieler hat der KSC verpflichtet: sind denn alle Spieler schon da?

Ich kann die Fans beruhigen, alle Jungs sind schon da und haben erfolgreich am Training teilgenommen, sodass wir bestimmt eine Menge Freude an ihnen haben werden.

Kannst du uns denn schon verraten ob der ein oder andere Spieler schon beim nächsten Spiel in Bochum auf dem Platz zu sehen sein wird?

Das kann ich noch nicht genau sagen, dazu ist es noch zu lange hin zum Spiel. Im Kader wird es mit Sicherheit ein paar Wechsel geben durch die Neuen, die wir jetzt dazu geholt haben. Wir haben jetzt wirklich einen großen Kader, aber das werden wir teamplayermäßig gerecht hinbekommen.

Und die Mannschaft ist mental bestimmt gut drauf nach dem erfolgreichen Auftakt im Wildpark, oder?

Ja ich glaube auch, vor allem da Bochum wohl ein Stück weit mehr unter Druck ist, da sie das erste Spiel verloren haben. Ich denke, so ein Auswärtsspiel tut uns richtig gut.

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