KSC-Coach Schwartz im Interview: "Wir werden niemanden wegschicken!"

Karlsruhe (che) Der Karlsruher SC hat ein schwieriges Jahr hinter sich: mit dem Abstieg verabschiedet sich der KSC aus der 2. Bundesliga, stolpert danach eine Etage tiefer in die Saison hinein. Mit dem dem erneuten Wechsel auf der Trainerbank geht es sportlich wieder aufwärts, während im Vorstand weiterhin der Neubau des Wildparkstadions fast täglich für neue Diskussionen sorgt. regio-news.de hat mit Alois Schwartz, Oliver Kreuzer und Ingo Wellenreuther gesprochen und Bilanz eines turbulenten Jahres gezogen. Heute im Interview: der Cheftrainer Alois Schwartz.

Herr Schwartz, als Sie die Mannschaft nach sechs Spieltagen übernahmen: in welcher Verfassung war die Truppe? Wie haben Sie die Spieler erlebt, als Sie das erste Mal zusammen gearbeitet haben?

Die Mannschaft war in einem nicht so guten Zustand. Nach der schlechten Anfangsphase, den Ergebnissen und der Gegentorflut ist man verunsichert, klar. Wenn man dann auch noch von allen so gehyped wird und als Favorit in die Runde geht, hat man schon in den ersten Trainingseinheiten gemerkt, dass die Mannschaft nicht frei war. Der Kopf spielt eine ganz große Rolle, wie im Leben auch. Da haben wir zuerst den Hebel angesetzt und wenn man die 13 Spiele Revue passieren lässt, war das richtig gut. Die Jungs haben gut gearbeitet, waren sehr wissbegierig und haben auch das umgesetzt, was wir verlangt haben. Was mich auch freut, ist, dass jetzt eine Mannschaft auf dem Platz steht, die ein Spiel unbedingt gewinnen will.

Was waren die ersten Maßnahmen, die Sie ergriffen haben? Wie schafft man es in solch einer Situation, den Schalter umzulegen?

Natürlich zuerst mit Gesprächen. In Trainingsformen dann mit einfachen Dingen, die man den Jungs an die Hand gibt. Zuerst den ersten Schritt machen, dann den zweiten, um da eine Stabilität reinzukriegen und die Mannschaft sicherer wird. Je mehr Wochen vergingen, desto sicherer wurde der KSC, desto mehr Automatismen waren drin und desto mehr hat die Truppe an sich geglaubt. Jetzt konnten wir das letzte Spiel gegen Osnabrück nicht spielen, um vielleicht mit einem Sieg in die Pause zu gehen. Wenn man die 13 Spiele nimmt, die wir zusammen gemacht haben, konnten wir 25 Punkte holen, haben nur vier Gegentreffer bekommen, zehnmal zu Null gespielt, nur zweimal verloren – von den Zahlen her hat die Mannschaft wirklich gut gearbeitet. Letztendlich ist es im Fußball so: es zählen nur die Ergebnisse, weil es keine B-Note gibt, doch auch die haben wir teilweise gut hinbekommen.

Sie haben zunächst dafür gesorgt, dass der KSC in der Defensive stabil steht. Warum ist das so wichtig, um erfolgreich Fußball spielen zu können?

Es ist immer einfacher kein Tor zu bekommen, wie eines zu schießen. Das ist einfach so. Wenn man wieder in die Spur möchte, muss man zunächst mal als Mannschaft gut dastehen und gegen den Ball arbeiten, damit man es dem Gegner schwer macht, ein Tor zu schießen. Auf der anderen Seite,da ist die Balance noch nicht ganz da, muss man auch in der Offensive effektiv sein. Da tun wir uns noch ein bisschen schwer. Da müssen wir uns verstärken, das müssen wir besser machen, aber das ist dann auch die Krux: vielleicht klappt es vorne, aber dann kriegst du hinten zwei rein und drei Tore zu schießen ist immer schwer.

Gab es für sie ein Spiel, das Sie als Schlüsselmoment werten? Einen Moment, nachdem Sie dachten: jetzt sind wir in der Spur, jetzt geht es aufwärts.

Wenn ich jetzt sehe, dass wir in der Vorrunde gegen den Tabellenersten Paderborn gewonnen haben, auch gegen den Tabellenzweiten Magdeburg, gegen den Tabellendritten Wehen und gegen den Vierten aus Rostock – da sieht man schon, dass wir in dieser Liga mit diesen Teams mithalten können. Gerade der erste Auswärtssieg in Rostock, der nicht glücklich zustande kam, sondern sehr verdient war und noch höher hätte ausfallen können. Da haben schon viele Automatismen geklappt. Da war die Balance zwischen Abwehr und Angriff richtig gut. Wir haben keinen gekriegt und drei Tore geschossen – da habe ich gemerkt, dass die Mannschaft einen großen Schritt gemacht hat.

Mit der Offensive sind Sie noch nicht ganz zufrieden. Wollen Sie sich denn auch personell da noch verstärken? Die Winterpause ist ja ganz klassisch die Zeit, um am Kader nochmals ein bisschen Feintuning zu betreiben.

Es könnte sein, dass wir auch personell etwas tun werden. Allerdings müssen wir auch da schauen: der Kader ist relativ groß und bevor wir keinen Abgang haben, werden wir auch niemanden dazu holen. Das würde noch mehr Unruhe bringen, weil der Kader dann noch größer wäre. Wir müssen mal schauen, ob sich der ein oder andere Spieler, der nicht so zufrieden ist, weil er nicht so häufig eingesetzt wurde, vielleicht verändern möchte. Wir werden niemanden wegschicken, aber es könnte sein, dass jemand auf uns zukommt. Danach schauen wir mal, ob im Winter noch etwas für uns drin ist.

Beim KSC hat man nach dem schwachen Saisonstart bewusst das Wort „Aufstieg“ nicht mehr in den Mund genommen und wollte zu Weihnachten mal Bilanz ziehen. Es sind jetzt 13 Punkte zur Tabellenspitze und sechs Punkte auf den Relegationsplatz (das Interview führten wir vor dem 20. Spieltag). Was ist noch drin in der Rückrunde?

Ich habe ja gesagt, dass wir gegen alle da oben gewonnen haben, diese „Sechs-Punkte-Spiele“, auch wenn ich das nicht als direkte Konkurrenz sehe, selbst wenn wir da hinwollen. Trotzdem ist der Abstand zu Platz 1 und 2 mit 13 Punkten sehr, sehr groß. Das zeigt, wie gut die trotz unserer guten Serie spielen oder eben auch, wie weit wir eigentlich unten drin waren und mit welcher Hypothek wir hier an die Sache herangegangen sind. Natürlich habe ich gesagt, dass wir an Weihnachten mal schauen, was wir für einen Arbeitsnachweis haben. In Zahlen sieht das auch sehr gut aus, aber der Abstand hat sich leider nicht verändert. Ich bin mit der Mannschaft sehr froh und auch sehr stolz auf die Jungs und jetzt müssen wir einfach schauen, was im neuen Jahr noch möglich ist.

Nach dem letzten Training haben Sie nochmals lange mit der Mannschaft gesprochen. Was haben Sie Ihnen auf dem Weg in den Weihnachtsurlaub mitgegeben?

Wir haben zunächst mal einen schönen Lauf gemacht, danach gemeinsam gegessen und dann habe ich mich bedankt für die 13 Spiele, die dreieinhalb Monate zusammen. Dass wir eine Mannschaft geworden sind, dass sie an ihren Hausaufgaben arbeiten sollen, damit wir im neuen Jahr da weitermachen können, wo wir aufgehört haben. Ich wünsche natürlich allen Spielern, aber auch den Betreuern, den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle und den Fans ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und Gesundheit für 2018.

Das Interview führte Christoph Heck

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