KSC-Präsident Wellenreuther: "Standort Wildpark produziert Mehrkosten!"

Karlsruhe (che) Der Karlsruher SC hat ein schwieriges Jahr hinter sich: mit dem Abstieg verabschiedet sich der KSC aus der 2. Bundesliga, stolpert danach eine Etage tiefer in die Saison hinein. Mit dem dem erneuten Wechsel auf der Trainerbank geht es sportlich wieder aufwärts, während im Vorstand weiterhin der Neubau des Wildparkstadions fast täglich für neue Diskussionen sorgt. regio-news.de hat mit Alois Schwartz, Oliver Kreuzer und Ingo Wellenreuther gesprochen und Bilanz eines turbulenten Jahres gezogen. Heute im Interview: der Präsident, Ingo Wellenreuther.

Herr Wellenreuther, wie zufrieden sind Sie mit dem Karlsruher SC im Hinblick auf die sportliche Entwicklung 2017?

 

Mit dem Jahr können wir sportlich überhaupt nicht zufrieden sein. Im ersten Halbjahr stand am Ende der Abstieg und zwar leider verdientermaßen mit einem relativ großen Abstand. Wir haben Anfang des Jahres nochmals alles versucht, hatten mit Mirko Slomka einen neuen Trainer. Die Erwartungen waren riesig, die Hoffnungen groß und wir sind damals auch direkt mit einem Sieg aus der Winterpause gestartet, hatten dann ein Unentschieden in Bochum, aber leider Gottes haben wir die Kurve sportlich nicht gekriegt, sondern es begann eine Niederlagenserie, sodass wir uns dann schweren Herzens von Mirko Slomka trennen mussten. Uns war auch klar, dass wir mit ihm nicht in die 3. Liga gehen können, weil der Vertrag nicht dafür vorgesehen war und daran hatte er auch kein Interesse. Wir haben uns dann für seinen Assistenztrainer Marc-Patrick Meister entschieden, der als junger Trainer eine neue, konkurrenzfähige Mannschaft aufbauen sollte, die das Kapitel Wiederaufstieg direkt in Angriff nimmt. Bis zum Saisonende war Tristesse wegen der ausbleibenden sportlichen Erfolge. Das war ganz bitter, weil so ein Abstieg mit unglaublichen finanziellen Problemen verbunden ist. Uns ist durch die wegbrechenden Fernseheinnahmen fast die Luft abgedreht worden. Das ist fast nicht zu schaffen, dass man einen Verein wie den Karlsruher SC mit der Verwaltungsstruktur, aber auch der Jugend- und Amateurabteilung, so am Leben halten kann. Über zehn Millionen Euro sind damals weggebrochen. In der 3. Liga erhält der KSC etwa 750.000 Euro Fernsehgelder. In der 2. Bundesliga waren es noch zwischen zehn und elf Millionen Euro. Wir haben unseren Lizenzspielerkader von rund zehn Millionen auf etwa fünf Millionen Euro Budget drastisch reduziert. Damit können wir die fehlenden Fernsehgelder aber immer noch nicht auffangen. Dass wir die Lizenz überhaupt bekommen haben, war so etwas wie die Quadratur des Kreises. Das war eine unglaubliche Kraftanstrengung von vielen im Verein, aber auch einigen außerhalb. Wir brauchten wirtschaftliche Unterstützung von den Banken, aber auch von Freunden und Geschäftspartnern, wie unserem Vizepräsident Günter Pilarsky. Jetzt versuchen wir gerade, die Punkte des schlechten Saisonstarts wieder aufzuholen.

 

Was hat die Verantwortlichen dazu bewogen, mit Marc-Patrick Meister weiterzumachen, obwohl seine Bilanz am Ende der Zweitliga-Saison nicht wirklich gut war?

 

Das war möglicherweise eine Fehleinschätzung. Wir hatten ihn ja als Co-Trainer bereits unter Mirko Slomka dabei und die Einschätzung von Oliver Kreuzer war, dass wir Marc-Patrick Meister es zutrauen können, die Mannschaft zu übernehmen und zu führen. Wir wollten ihm diese schwierige Situation am Ende der abgelaufenen Saison aber nicht zum Vorwurf machen, weil er eine Mannschaft übernahm, die nicht mehr intakt war und abgeschlagen am Tabellenende lag. Deswegen wollten wir diese sieben Spiele, von denen sechs verloren gingen, ihm nicht anlasten. Ob man da schon hätte erkennen können, dass es nicht passt und er nicht in der Lage ist, unsere Mannschaft zu führen, lasse ich mal dahingestellt. Es ist müßig, darüber zu reden. In den ersten Spielen haben aber nicht nur die Ergebnisse nicht gestimmt, wir hatten zudem das Gefühl, dass die Akzeptanz in der Mannschaft nicht im notwendigen Maße vorhanden war, um solch eine lange Saison mit 38 Spielen erfolgreich zu gestalten und den Wiederaufstieg konkret werden zu lassen. Gemeinsam haben wir dann entschieden, dass wir frühzeitig eine Änderung herbeiführen wollen. Wir haben dann Alois Schwartz gefunden, den wir früher schon gerne verpflichtet hätten, was aber aus verschiedenen Gründen bislang nicht geklappt hatte. Diesmal hat es gepasst und wir sind sehr froh, ihn als Trainer verpflichtet zu haben.

 

Sie haben es gerade gesagt: Alois Schwartz scheint jetzt der richtige Trainer für den KSC zu sein. Wie zufrieden sind Sie mit seiner Arbeit?

 

Wir sind sowohl mit der menschlichen Zusammenarbeit, als auch mit der Akzeptanz bei den Spielern sowie den Ergebnissen sehr zufrieden. Wir haben in 13 Spielen unter ihm 25 Punkte geholt. Wir wissen aber auch, dass wir auf die Tabellenspitze einen riesigen Rückstand haben. Deswegen haben wir uns abgewöhnt, auf die Tabelle zu schauen. Auch wenn es platt klingt: wir denken von Spiel zu Spiel. Wir haben ganz wenig Gegentreffer bekommen, müssen uns aber im Offensivbereich noch verbessern, um weiter erfolgreich zu bleiben. Im Frühjahr schauen wir mal, ob wir noch eine Chance haben, oben anzugreifen.

 

Die Offensive muss noch effektiver werden und als Präsident haben Sie einen genauen Einblick in die Finanzen des KSC. Ist denn noch geplant, sich personell zu verstärken oder ist das dieses Jahr gar nicht drin?

 

Es ist derzeit kein konkretes Gesprächsthema bei uns. Natürlich muss ein Sportdirektor immer am Ball sein, denn wir wissen nie, ob kurzfristig Verletzungsprobleme auftreten werden. Solch eine Transferperiode bietet eben Gelegenheit, den Kader zu ergänzen oder auch einen Spieler abzugeben. Noch haben wir keine konkreten Änderungsvereinbarungen getroffen, denn unser finanzieller Rahmen ist auch eigentlich ausgeschöpft. Es war schwer genug, überhaupt etwas zur Verfügung zu stellen. Wir haben allerdings trotzdem eines der höchsten Budgets in der 3. Liga mit knapp über fünf Millionen Euro. Wir konzentrieren uns jetzt, haben Ruhe im Verein, arbeiten alle sehr gewissenhaft und müssen mit vereinten Kräften jetzt erst die Grundlagen für eine erneute Lizenzerteilung im Frühjahr legen und sportlich schauen, dass wir optimal aus den Startlöchern kommen nach der Winterpause.

 

Ist der Wunsch und das Ziel nach dem direkten Wiederaufstieg denn trotz der sportlichen Misere zu Saisonbeginn noch da?

 

Diese Vorgabe gibt es in diesem Sinne nicht. Wir sind alle Realisten und wenn wir auf die Tabelle schauen, ist der Abstand ordentlich. Wir haben aber auch gesehen, was kontinuierliches Arbeiten bewirken kann. Wir hoffen, dass es nach der Pause so weitergeht, aber es gibt auch keinen Druck auf die Mannschaft. Niemand verlangt, mit aller Gewalt aufsteigen zu müssen. Natürlich würden wir das gerne mitnehmen, aber das ist momentan gar kein Thema. Wir schauen, dass die sportliche Leitung gute Voraussetzungen hat, auch mit dem Trainingslager in Spanien. Den Druck machen sich die Jungs selbst und das ist auch richtig so. Unser Anspruch ist natürlich, dass wir grundsätzlich in der 3. Liga jedes Spiel gewinnen wollen. Danach muss jeder leben und sich professionell auf und neben dem Trainingsplatz vorbereiten. Wenn dann jeder an die Leistungsgrenze geht, hoffen wir, weiterhin gute Ergebnisse einzufahren. Was dann dabei herauskommt, werden wir sehen.

 

Heißt das im Umkehrschluss: wenn der KSC noch ein Jahr 3. Liga spielen muss, wäre das finanziell machbar?

 

"Überhaupt kein Problem" wäre geprahlt, aber natürlich haben wir vor einem halben Jahr eine sogenannte Fortführungsprognose bestätigt bekommen. Das heißt, dass wir noch ein weiteres Jahr 3. Liga spielen können, aber auch das wird ein unglaublich großer Kraftakt, bei dem gravierende Einschnitte denkbar wären. Der KSC ist ein Verein mit einem relativ großen Apparat, der 24 Jahre Erstligist war, 28 Jahre in der 2. Bundesliga und entsprechenden Verwaltungsstrukturen. Da müsste man dann schauen, dass wir da im Ernstfall auf die Sparbremse treten, um den Verein über Wasser halten zu können. Das wissen aber auch alle Beteiligten.

 

Weg vom Sportlichen hin zum Politischen und damit zum Stadion-Neubau. Wie ist das Gefühl für Sie als Präsident, wenn Sie auf das Gelände fahren und sehen, dass endlich etwas gebaut wird?

 

Das äußere Zeichen ist ganz wichtig. Jetzt werden ja die vorbereitenden Maßnahmen getroffen im Umfeld des eigentlichen Stadionbaukörpers. Momentan wird der alte Kunstrasenplatz weggerissen, damit dort das neue Amateurstadion entstehen kann. Wir rechnen damit, dass der Platz Ende Februar neu angelegt ist – mit einer Tribüne für knapp 2.000 Zuschauer, um die Jugendspiele dort verfolgen zu können. Wir hoffen, dass im Frühjahr dann endlich der Zuschlag für das Bauunternehmen erfolgen kann, das das Stadion dann auch wirklich umsetzt. Da brauchen wir leider Gottes ein paar Monate länger. Die Stadt wollte eigentlich schon im Dezember den Zuschlag erteilen, aber jetzt müssen die Angebote auf Herz und Nieren geprüft werden. Das hatten wir schon früher angeregt und jetzt wird es dann auch gemacht, was nun einige Wochen länger dauert. Anschließend werden die Baufirmen konkretisierte Angebote vorlegen, sodass wir hoffen, dass bis Ostern der Zuschlag erteilt werden kann. Jede Verzögerung geht aber zu Lasten des KSC, denn jeder Tag, an dem wir das Stadion früher nutzen können, gibt uns die Möglichkeit, höhere Einnahmen zu erzielen.

 

Wie ist aus Ihrer Sicht die aktuelle Lage? Die Stadt hatte ja verkündet, dass die Angebote den Kostenrahmen sprengen würden und deswegen Verwaltung und KSC nochmals schauen müssten, wo Einsparungen möglich wären.

 

Das muss man, glaube ich, mal ein bisschen richtigstellen. Es war Schade, dass diese Pressemitteilung nicht mit dem KSC abgesprochen wurde. Das war unglücklich und wir verstehen es auch nicht ganz, aber in der Sache ist es schon so, dass es zu diesen Verzögerungen kommt. Mit den Baufirmen werden die Angebote nun ganz genau geprüft, das ist der eine Vorgang. Streichungen oder Leistungsreduzierungen sind noch nicht geplant, vor allem nicht pauschal. Zuerst muss abgeklopft werden, wo man Kosten reduzieren kann, die momentan zu hoch sind – ohne die Leistung zu reduzieren. Klar ist aber auch: die Baufirmen haben uns deutlich zu verstehen gegeben, dass viele Kosten nur deshalb entstehen, weil das Stadion am Standort Wildpark gebaut wird. Der KSC wollte den Neubau ja an der Autobahn. Der Standort hier produziert Mehrkosten aus zwei Gründen: die Wälle sind da, müssen untersucht und dann abgetragen werden und weil wir dort parallel Fußball spielen und die Arbeiten im Spielbetrieb ablaufen müssen, verursacht das außerdem große Kosten. Das Beispiel aus Freiburg zeigt uns, dass zu einem Budget ähnlich wie das des KSC-Stadions gebaut werden kann. Es liegt also nicht an dem, was ausgeschrieben war, sondern am Standort selbst. Das ist schade, aber nun müssen wir schauen, wie wir auf verschiedenen Wegen ins Budget kommen. Daran sind wir auch sehr interessiert. Aber an Kleinigkeiten soll es nachher nicht scheitern.

 

Wäre es denn keine Option gewesen, die Heimspiele woanders auszutragen und so Kosten einzusparen?

 

Dazu wäre der KSC bereit gewesen, obwohl es uns auch benachteiligt. Wir müssten die Zuschauer ja irgendwo anders zu den sogenannten Heimspielen lotsen. Faktisch ist es eher nicht möglich, weil es kaum ein geeignetes Stadion gibt, in dem wir spielen könnten beziehungsweise die Bereitschaft besteht, dass die KSC-Spiele dort stattfinden könnten. Deswegen sieht es derzeit auch danach aus, dass der Neubau während des Betriebs abgewickelt werden muss.

 

Das Interview führte Julian Linder

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