pfoschdeschuss (27): Gelbfieber, Sprungpferde & Sturmkoloss

Karlsruhe (pfo/che) Nirgendwo schlägt das Herz für den echten Fußball höher als in den unteren Spielklassen. Der Torwart telefoniert während des Spiels mal kurz mit der Ehefrau, der Top-Stürmer verlässt nach einem Hattrick den Platz, weil er zur Nachtschicht muss und der Schiedsrichter pfeift Abseitssituationen auf Zuruf. Genau das macht den Amateurfußball so liebenswert. Wir berichten immer am Freitag gemeinsam mit Oliver Raupp von pfoschdeschuss.de über das Wichtigste aus Karlsruhes Unterklassen. Wer das nicht liest, hat den Fußball nie geliebt.

 

Kaffee schwarz mit Milch und Zucker

Abermals war mein Hopping- & Hopfen-Wochenende von einer privaten Party geschmälert, der ich unmöglich fern bleiben konnte. Doch durch die Gebäudeöffnung konnte ich einen C1-Kampf zwischen dem SV Hohenwettersbach und Schlusslicht Etzenrot begutachten. Die gebeutelten »Spengler« gegen die »Heidebückel«, die am vergangenen Wochenende ihren zweiten Saisonsieg feiern konnten. Die Jungs aus der früheren Wein-Region Hohenwettersbach beließen den Dreier in der Heimat und pushten damit das marode Konto »e weng« auf (3:1). Präventiv suchte ich am Samstag nach der Malocherei einen Kick, der mich begeistern sollte. Bevor ich aber an den Campus rauschte, suchte ich die Stätte der Ernährungs-Banausen auf, um einen Kaffee zu ordern. Dasselbe Spiel wie immer…»Kaffee schwarz«, ließ ich verlauten. »Mit Milch und Zucker?«, gab mir die Dame zu verstehen, dass sie nicht versteht. »Schwarz«, kam mir über die Lippen. So fuhr ich vor und nahm den Kaffee entgegen, selbstverständlich mit Milch und Zucker. Es geht halt nichts über eine gelungene Kommunikation. Zwanzig Minuten später stand das Vehikel und ich machte mich zu Fuß in Richtung Campus. Was von Weitem aussah, wie kollektives Apfelernten in Betriebs-Uniform entpuppte sich aus der Nähe als ein Lacrosse-Spiel auf Kunstrasen. Schwere Kost für Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen. Fünfzehn Uhr, Startschuss des A-Klassen-Kicks KIT SC 2010 Karlsruhe gegen den FV Ettlingenweier II. Schnelles Spiel, gute Schiri-Leistung und wenig Torszenen. Beide Mannschaften egalisierten sich, sodass ein 2:2 am Spielende wenig überraschend wirkte.

Toprak trifft erneut ins falsche Tor

Er kann’s nicht lassen: Kadir Toprak trägt einen berühmten Namen. Sein Namensvetter wird in der kommenden Saison das BVB-Trikot tragen. Er selbst spielt für die ESG Frankonia Karlsruhe II und mutiert zum Vollstrecker. Doch inzwischen sollte ihm sein Trainer erläutert haben, dass ein Jubel der Jungs im andersfarbigen Trikot in den seltensten Fällen was Gutes für die seinigen bedeutet. Nachdem er am vergangenen Sonntag das goldene Tor für die »Gegner« beisteuerte, überlistete der Frankone erneut den eigenen Schlussmann. In diesem Fall weniger gewichtig, denn es war bereits das 0:4 gegen den TSV Spessart II (Endstand 1:4) bei der ESG (C4).

Gelbfieber beim Schiri geheilt?

Vor Wochen haben wir beim Referee Mike Singer Gelbfieber im Anfangsstadium diagnostiziert. Therapiert schickte man den »singenden« Mike in die Hochstettener Straße, wo die Verbände des FV Liedolsheim II und FV Daxlanden II (C3) aufeinander trafen. Die Geschichte gestaltete sich deutlich und der Gast gewann 7:0. Nur dreimal zückte der Indifferente die gelbe Karte - doch zwei knallrote für den Gastgeber und eine gelbrote Karte für den siegenden Gast stachen ins Auge. »Mensch, Mike!«

Germania Karlsruhe ein gutes Pferd

»Ein gutes Pferd…blablabla« - Sie kennen die Geschichte vom guten, springenden Pferd, und dass nur so hoch, wie es muss. In den seltensten Fällen haben wir’s beim Fußball mit dem Unpaarhufer zu tun und wenn, dann nur, wenn einem mal wieder der Gaul durchgeht. Der Karlsruher FV führt nach 67 Minuten 3:0 beim Nachbarn Germania Karlsruhe (C1). Zu diesem Zeitpunkt schien dem Germanen-Bändiger Pejo Orsolic sicherlich das Pferd zu entgleiten. Doch dann erinnerten sich seine Spieler am nicht unbedingt artgerechten Verhalten des Getiers und begannen zu springen…eben nur so hoch wie sie müssen und am Ende reichten zwanzig Minuten Vollgas um das Derby zu neutralisieren (3:3). Ob dass aus Germanen-Sicht tatsächlich hoch genug war, liegt im Auge des Betrachters. Das machten die Hagsfelder Reserven (C1) besser. »Mol g`schwind o`zoge« haben die »Hasepelz« bei den Eisenbahnern. Manu Kuhn, Ex-Sturmführer der DJK Durlach, schoss das 1:0 für die heimischen Frankonen. Vier Minuten benötigten die Hagsfelder, um die Kiste auf die Füße zu stellen. Am Ende reichte der Allee-Trip zu einem deutlichen 4:1-Sieg. 

Sturmkoloss Kocyigit büffelt Neureut zum Sieg

Spitzenspiel in der C1: Der SV Schwarz-Weiß Mühlburg, designierter Aufsteiger in die B-Klasse, hat wohl einen festen Termin für die Meisterschaftsfeier ausgemacht, der in der ferneren Zukunft liegt, denn sie machen es spannend. Nach dem Punktverlust am vergangenen Wochenende verloren die Weber-Schützlinge die Heimpartie gegen den Bulacher SC. Wer hier allerdings beim Mittagsessen sabberte, dem könnte das Wichtigste entgangen sein, denn bereits nach acht Minuten war die Story gelocht und geheftet. Brenner (2.) brachte die Hausgemeinschaft standesgemäß in Front, doch nur drei Minuten später schloss Sturm einen Sturm zum 1:1 ab (5.). Weitere 180 Sekunden später konnte Gästestürmer Kleikamp das 1:2 erzielen. Was zu jenem Zeitpunkt keiner wusste - das Pulver war verschossen, der Spargel gestochen und geschält. Elf gelbe Karten und eine Gelbrote für die Heimmannschaft deuten ein umkämpftes Match an. Die Mühlburger müssen nun schauen, dass der Termin für die Meisterfeier am Ende nicht zu früh erscheint. Hellwach war die Forchheimer Reserve beim Spiel am Jagdgrund (DJK Daxlanden, A1). Binnen elf Minuten drehten die Gäste einen 0:1-Rückstand in ein 3:1. Nur die Halbzeit trennte den Tatendrang der »Grießer«. Doch am Tag des ersten Saisontors machten die Forchheimer die Rechnung ohne die »Katholiken«. Kärcher, De Assis Junior und A. Bednar hießen am Ende die Premieren-Torschützen der DJK, die für ein leistungsgerechtes 3:3 sorgten. Gleiche Liga, andere Baustelle: das Spiel der Spiele fand am Mühlburger Bahnhof statt. Es sollte nicht der Tag der Mühlburger Vereine werden, was wir bereits im Bericht andeuteten, denn auch die DJK-Reserve musste nach einem gefühlten Jahrhundert erstmals die Punkte beim Gegner belassen (FC Alemannia Eggenstein II). Doch das wäre ja alles nicht so schlimm, hätte das Star-Ensemble der blauweißen Mühlburger Fraktion den zweiten Platz verteidigt. Dabei begann alles so gut - Beiertheim-Import »Beppo« Kerb brachte seine »Milchseihlen« mit 1:0 in Front gegen den Dritten aus dem germanischen Neureut. Doch dann erinnerte sich Trainer Jukic an die Wunderwaffe namens »Haydar« und gestikulierte dem Strafraum-Büffel, dass sein Einsatz unmittelbar bevorstünde. Ali Al Zein notierte die siebzigste Spielminute als Kocyigit den Rasen betrat. Nur zwei Minuten später stand der »Koloss vom Schulberg« da, wo man sich ihn hin wünschte - zumindest von Seiten der Germanen. »Heidi heido heida« machte es und es stand 1:1. Riesenjubel auf Seiten des Gastes und Resignation beim Gastgeber. Aber der Mann im Gästetrikot kam spät und hatte noch längst nicht genug, selbst als der Schiri einen Schwung Finger in die Luft streckte um ein Ende des Matches zu prophezeien. Haydar Kocyigit wusste sich nicht anders zu helfen als das Spiel durch einen weiteren Treffer um ein paar Minuten zu verlängern. Prompt fand er den Weg zum 1:2 (91.), wonach der Referee weitere vier Minuten spielen ließ. Die DJK könnte mal wieder den Aufstieg verpassen - Neureut ist nun Zweiter. Aber noch ist nicht aller Tage Abend und weitere vier Spiele stehen aus. 

Rheinstetten-Derby um den Aufstieg: Oli schmilzt vor Vorfreude (fast)

Schon am Freitag geht’s weiter mit einem Kracher am »Fröschlesberg«. Der frisch gekürte Landesliga-Spitzenreiter ATSV Mutschelbach erwartet um 19:30 Uhr den FC Olympia Kirrlach, seines Zeichens Dritter mit Ambitionen. Nur drei Punkte trennen die beiden Mannschaften - Wer dieses Spiel verpasst, hat kein Interesse am runden Leder oder eine bitterböse Frau zuhause. Eine Stunde vorher kann mitten in der Stadt das B-Klassen-Spiel, FSSV Karlsruhe gegen den FV Hochstetten bewundern (B1,18:30 Uhr). Am Adenauerring rollt ab halb sieben die Kugel. Zur gleichen Zeit steht »auf Waldbrücke« zu Weingarten die Kreisliga-Sause, FVgg 06 Weingarten gegen Schlusslicht FV Graben auf der Agenda. Weiter im Programm am Samstagmittag. Der Wettergott prophezeit Herbstwetter; die Fortunen aus Kirchfeld erwarten den FV Ettlingenweier zum Landesliga-Derby. Um »halber Vier« geht’s los. Grünweiß gegen Rotschwarz bei bestem Karlsruher Bräu in Vereinsfarbe der Einheimischen. Dreißig Minuten später kann man den kommenden Oberligisten im Durlacher Turmbergstadion bewundern. Nicht der Gastgeber - sondern den Gast - die TSG Weinheim gibt ihre Visitenkarte in der Liebensteinstraße ab. Wer dann um 17 Uhr nicht unbedingt die Sportschau sehen möchte, der kann sich am Kanalweg die B1-Partie, FC 1921 Karlsruhe gegen den FC Viktoria Jöhlingen, gönnen. Am Sonntag steht dann der Rhein im Fokus…letztmals von Tulla dermaßen zur Schau gestellt, folgen nun Knielingen und Neuburgweier, die den Lauf begradigen möchten. Um 13:00 Uhr erscheinen die Langensteinbacher Reserven im Frauenhäusleweg. Die stehen mit 49 Punkten auf dem dritten Tabellenplatz der B3 und besitzen weiterhin sehr gute Chancen, das Ufer der A-Klasse zu erreichen. Der heimische VfB II wiederum benötigt unbedingt einen Sieg um endgültig den Klassenerhalt zu feiern. Hier sollte die Lunte gelegt sein - Wasser zum Löschen sollte genug vorhanden sein. Was aber keiner verpassen darf…der SC Neuburgweier (1.) erwartet den TV Mörsch (2.) - Rheinstettener Derby um den Aufstieg in die A-Klasse. Ein Mega-Spiel, dass sicherlich die Massen an den Karlsruher Fußballrand treibt. Hier darf ich nicht fehlen…Mir fehlt die Steigerung von »Brennen«, um nur ansatzweise auszudrücken, was ich als Fußballfan von diesem Kick erwarte. Bei gutem Hoepfner-Pils am Rande des Rheins ein Ortskampf mit dieser Konstellation zu besuchen. Eine Steigerung fällt mir dato nicht ein…

Euch liebe Fans wünsche ich ein aufregendes, nicht allzu nasses Wochenende mit der richtigen Wahl der Freizeitaktivität, die da eigentlich nur Fußball lauten kann. Nutzt die letzten zwei Wochen des Ballgeplänkels, denn anschließend ist Pause und ihr müsst womöglich im Kreise der Familie die »Shopping Queen« anschauen.

Allahopp, euer Oli!

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