pfoschdeschuss (40): Hariri-Harakiri, Andreas Brehme & Lyoner

Karlsruhe (pfo/ame) Nirgendwo schlägt das Herz für den echten Fußball höher als in den unteren Spielklassen. Der Torwart telefoniert während des Spiels mal kurz mit der Ehefrau, der Top-Stürmer verlässt nach einem Hattrick den Platz, weil er zur Nachtschicht muss und der Schiedsrichter pfeift Abseitssituationen auf Zuruf. Genau das macht den Amateurfußball so liebenswert. Wir berichten immer am Freitag gemeinsam mit Oliver Raupp von pfoschdeschuss.de über das Wichtigste aus Karlsruhes Unterklassen. Wer das nicht liest, hat den Fußball nie geliebt.

 

Punktlose setzen Impulse

»Neue Besen kehren gut…«, handwerklich gesehen sicher eine Option, wenn das gute alte Stück den Dienst quittiert. Doch auf den Fußball angewandt, bleibt abzuwarten, mit welchem Resultat solche Aktionen enden. Du kannst keine Formel 1 fahren, wenn dir nur ein Dacia Logan zur Verfügung steht. Da spielt es auch keine Rolle, ob Cindy von Marzahn oder »Sebi« Vettel hinterm Steuer hängt. In der aktuellen Woche traf’s in der Kreisliga Fabian Wenz (TSV Auerbach) und Michael Künast (FC Spöck), die beide in der Vergangenheit nachwiesen, gute Übungsleiter zu sein. Nun…der neue Schlachtruf heißt »Impulse setzen und dem Spieler das Alibi nehmen«…das hört sich höchst professionell an und doch geht es darum, Fußball als Hobby zu bestreiten. Beide Mannschaften hatten nach neun Spieltagen 0 Punkte. In Spöck wurde Dzemo Cerovac installiert, die Auerbacher holten Bernd Schmider ins Boot. 

Hariri-Harakiri im Jagdgrund

»Harakiri« durch Hariri hieß es am späten Samstag im Jagdgrund. Kirchheim gastierte beim FC Espanol Karlsruhe und gewann recht deutlich 4:0. Dreimal traf SG-As Hariri und sorgte für die Euro-Krise in Klein-Spanien (Verbandsliga). Wer den Strauß nicht an der Leine führt, der wird die Kontrolle über Selbigen verlieren. Der SV Nordwest II hatte den FV Ettlingenweier III zu Gast (C4). Vierzehn Minuten Leinen los und Patrick Strauß schenkte dreimal ein. Halbzeitstand 0:3 für den FVE III - Endstand 1:4. In der gleichen Staffel bestrafte Oberweier II und Rüppurr III diejenigen, die meinten, den Nachtisch trotz abgelaufener Essenszeit in sich reinzuschlingen. Nach fünf Minuten stand’s 1:2, nach zwölf Minuten 1:3. Wer mit verschmierten Mund zu spät kam, der sah dennoch vier weitere Treffer die zu einem 5:3 der »Rieberger« am Haberacker führten.  

Eine Minute, zwei Tore

Im Zeitalter von Effektivität, Akkord und Zeitmangel muss auch mal eine Minute reichen, um zwei Treffer zu markieren. Philipp Seeger nutzte die 65. Minute um dieses Kunstwerk zu vollbringen. Erst traf er zum 4:0 für den ATSV Kleinsteinbach II beim VfR Ittersbach II (C3) um Sekunden später das 5:0 einzudosen. Es ist bestätigt, dass die Ittersbacher zwischen den beiden »Seegereien« den Ball beim Anspiel berühren durften. Mit 6:0 konnte der ATSV II seinen Trip an die badisch-schwäbische Grenze beenden.  

Andi Brehme-Philosophie in Liedolsheim

Hatten wir das nicht erst vor Kurzem? Eine 4:0-Führung, die zu einem 4:4-Endstand führte. Nicht immer sind Kopien langweilig: Die SpG Herrenalb führte im Rahmen der C1 4:0 gegen den SV Hohenwettersbach, die bekanntlich lange an der Spitze herumschwirrten, nun aber rechtzeitig zu Helloween den Kürbis platzen lassen. Dennoch schafften sie es, den Schwarzwald blau und gelb zu schmücken und markierten binnen 32 Minuten im zweiten Durchgang vier Treffer (4:4). Zufrieden konnten bis auf den Zuschauer weder Herrenalb noch Hohenwettersbach sein. Dass späte Treffer nicht gegen Niederlagen dienen bewies das Match Beiertheim II gegen Söllingen II in der B3. Der SpVgg-Akteur Reichenbacher markierte nach 75 Minuten das 0:1 in Beiertheim. »Klar, psychologisch guter Zeitpunkt«…oder »Nun bleibt der zurückliegenden Mannschaft wenig Zeit um das Ding zu biegen!« Mazzola, ein Mann, ein Name, den wir für gute Ernährung aus der Werbung kennen, garnierte nur eine Minute später zum 1:1. Doch die Söllinger reanimierten die Geschichte mit dem späten Treffer und schossen nach neunzig Minuten das 1:2. Sicher ist sicher…das meinte auch Kadir Islow, Ex-Reichenbacher im Diensten des Kreisliga-Spitzenreiters FC 08 Neureut. In der 85. Minute dachte Schiri Zok »lieber spät als gar nicht« und schritt zum Punkt. Proteste beim Fvgg 06 Weingarten, die bis dahin ein 0:0 in Neureut hielten. Doch Islow, kühl wie ein frischgezapftes Pils, verwandelte zum Endstand von 1:0. Ne Ecke später entschied Dennis Rösler das Spiel FV Liedolsheim gegen den FC Germania Friedrichstal II (A1). Der Keller-Kracher stand bis zur 91 .Minute 1:1 und irgendwie konnte sich keine der beiden Mannschaften so richtig freuen. Doch dann stieß Dennis Rösler in die Story und traf zum 1:2 für Friedrichstal. Jetzt konnte sich zumindest ein Team freuen. Die Germanen befreiten sich…Liedolsheim ist weiter stolzer Besitzer der Roten Laterne. Und wie das halt so ist: »hast du Scheiße am Fuß, dann hast du Scheiße am Fuß«. »In der Ruhe liegt die Kraft«, dachte auch der SV Langensteinbach im Landesliga-Auftritt am vergangenen Sonntag. Der 1. FC Ersingen gastierte im Sonotronic-Sportpark. Etwas überraschend brachte Marius Teuscher den Gast nach 74 Minuten mit 1:0 in Front. Doch das täuschte…denn die »Oierkuche« hatten noch Hefe im Reservoir und begannen nach 83 Minuten aufzubacken. Kull (83.), Köktas (84.) und Can (85.) drehten die Partie »souverän«. »Wer macht denn schon Panik, wenn der Gast nach 75 Minuten in Führung geht?«  

Wer braucht schon Lewandowski?

»Wer zum Teufel ist Lewandowski«, dachte sich Kevin Ehlers. Dennoch konnte er das Gesamtwerk des bajuwarischen Polen nicht ins Wanken bringen. Der »Schröcker« schockte kurzzeitig Spitzenreiter FC Viktoria Jöhlingen (B1). Zwischen der 45. und 51. Minute liegt die Halbzeit und im beschriebenen Fall drei Treffer von Kevin E. Damit drehte der Leopoldshafener eine 2:0-Führung der Jöhlinger. Die kamen aber zurück und gewannen am Ende 5:4. Länger brauchte Anton »Toni« Hoffmann vom FC Fackel Karlsruhe (B1). Zwischen Minute 14 und 82 schrieb der »Schaschlik«-Bomber viermal an und zerstörte Rüppurr’s (II) Traum vom Punkt auf heimischen Boden. Der Gast nahm ein 4:2 und drei Punkte mit in die Heimat.  

Frust bis zur Kinnlade

Eine wahnsinnige Geschichte ereignete sich am Bahnhof. »Nicht dass die Züge pünktlich ankamen und wegfuhren. Nein, so extrem kurios verlief’s nun auch nicht«. Die GSK Karlsruhe, Dritter, spielte beim Vierten, DJK Mühlburg, vor. Der Gastgeber verspürte aufgrund einer Demütigung in Neureut, die sich eine Woche zuvor ereignete, Frust bis zur Kinnlade. Insbesondere Malki Maliha, ehemaliger Beiertheimer im Mühlburg-Dienst. Er traf in 15 Minuten viermal und sorgte für immens lange Schlupflider im osmanischen Kreis. Doch der Tanz der »Milchseihlen« begann erst so richtig. Bis zur 75. Minute legten die Hausherren nach und kamen zu einem denkwürdigen 9:0 im »Spitzenspiel«. Die Gäste reisten mit der Gewissheit heim, dass sie nicht die waren, die mit dem »Malki« tanzen durften. Nicht übermittelt ist, was Trainer Genc seinen Jungs bei einem 7:0-Halbzeitstand mit auf dem Weg gab.  

Ganz Karlsruhe hat spielfrei?

Auch am kommenden Wochenende stehen wieder interessante Spiele an. Der Samstag lässt Karlsruhe etwas auf dem Trockenen sitzen, denn die Fächerstadt ist quasi fußballfrei. Doch wer Spargel, Barock und ein gutes Fußballspiel sehen möchte, der kann Bruchsal ansteuern. Hier bekämpfen sich in einem Spitzenspiel, der 1. FC Bruchsal und der Gast VfR Mannheim. Anstoß ist um 15:00 Uhr. Wer den »fiktiven« Spitzenreiter der Landesliga anschauen will, der reist in die Gemeinde der vielen Gasthäuser, Ersingen. Der ATSV Mutschelbach spielt ab 15:00 Uhr beim 1. FC Ersingen. 

Brötchen, Lyoner und viele Tore

Frühstück an der Wagenburg am Sonntagmorgen? Zumindest für Diejenigen, denen das Rollen eines Balles mehr Spaß bereitet als Kaffee und Brötchen mit Mutti. Um 11 Uhr steigt das Nachbarschaftsduell Langensteinbach II gegen den TSV Reichenbach II (B2). Wer in der Hardt zuhause ist, dem ist der Weg nach Karlsbad sicherlich zu weit. Alternativ läuft beim FV Linkenheim II der Keller-Brüller gegen den SV Staffort (12:30 Uhr). Beide Mannschaften hängen mehr oder weniger im Kellerbereich der B1 fest. Ab 14:30 Uhr dann das gewohnte Massenauftreten. Der SC Wettersbach, überraschend starker Landesliga-Aufsteiger, erwartet den FV Neuthard. Gleiche Liga, andere Baustelle. Fortuna Kirchfeld empfängt zeitgleich den FC Nöttingen II. Beim FV 1906 Weingarten im pittoresken Waldstadion kommt’s zum Spitzenspiel der Kreisliga. Die einheimischen Schwarzroten begrüßen Schwarzgelb aus Malsch. Ab 14:30 Uhr wird hier um Punkte gefeilscht. Ein Leckerbissen wird’s auch in Eggenstein geben (Kreisliga). Derby zwischen dem FC Alemannia Eggenstein und dem TV Spöck … Mein Favorit, wenn’s um Derby-Feeling; geile Fußballstätte und Nähe zum Zapfhahn geht. Die GSK Karlsruhe muss nach dem Mühlburg-Inferno das Derby gegen die SG DJK/FV Daxlanden bestreiten. Um 14:30 Uhr geht’s im A1-Klassen-Derby los. Ort des Geschehens ist die Anlage an den Saumseen. Die Rußheimer spielen zur gleichen Zeit im gleichen Liga-Modus gegen den VSV Büchig gegen eine B-Klassen-Zugehörigkeit im kommenden Jahr während im Albtal Busenbach und Schöllbronn (A2) um Kreisliga-Ehren zur kommenden Runde fighten (14:30 Uhr). Eine Stunde später (15:30 Uhr) fordert Fackel Spitzenreiter Jöhlingen im Lohwiesenweg (B1). Der späte Wurm fängt den Vogel … Um 16:30 Uhr kommt’s zum Studi-Ball am Campus. Stadt-Duell zwischen dem FC Südstern Karlsruhe und seinem 104 Jahre jüngeren Pedanten, KIT SC 2010 Karlsruhe. Genug Material um am Sonntag einem Museumsbesuch vorzukommen bei rechtzeitiger Anmeldung am Esstisch. Euch liebe Leser wünsche ich ein ereignisreiches goldenes Oktoberwochende, das letzte in diesem Kalenderjahr, und schöne Feiertage. Bei Brötchen, Lyoner, torreichen Spiele und Gersten-Gebräu …

Allahopp, euer Oli!

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