pfoschdeschuss (44): Reinhold Messner, Rindviecher und ein Kevin

Karlsruhe (pfo/ame) Nirgendwo schlägt das Herz für den echten Fußball höher als in den unteren Spielklassen. Der Torwart telefoniert während des Spiels mal kurz mit der Ehefrau, der Top-Stürmer verlässt nach einem Hattrick den Platz, weil er zur Nachtschicht muss und der Schiedsrichter pfeift Abseitssituationen auf Zuruf. Genau das macht den Amateurfußball so liebenswert. Wir berichten immer am Freitag gemeinsam mit Oliver Raupp von pfoschdeschuss.de über das Wichtigste aus Karlsruhes Unterklassen. Wer das nicht liest, hat den Fußball nie geliebt.

 

Reinhold-Messner-Gedächtnis-Erfrierungen

Bereits am Freitag machte ich mich mit Family auf um den Primus ATSV Mutschelbach beim Novizen SC Wettersbach zu bestaunen. Flutlicht, Nässe, Kälte und Kaltgetränk bei Schmuddelwetter. Schnelles und gutes Spiel, das ebenso erhitzte wie der Glühwein, der in der gut geführten SCW-Kantine zu erwerben war. Weniger erfolgreich - das Essensgesuch im Speiselokal »Tannweg«, dass bekanntlich zu den Guten des Umkreises gehört und daher ein freier Tisch, ohne Reservierung, ebenso wenig zu erblicken ist, wie ein Fußballer in schwarzen Fußballschuhen. Der Neuling trotzte dem Sammelsurium an regionalen Stars ein 0:0 ab und freute sich diebisch. Samstag nach der Arbeit war ich kurz angebunden in Sachen Fotos unterwegs. Ein paar Geschichten abblenden um dann ins wohlverdiente Wochenende zu gehen. Das Baggerloch bot sich an, denn hier fand zum einen das B3-Spiel Ettlingen II vs Söllingen II (0:2) statt, zum anderen das Kreisliga-Spiel zwischen Ettlingen und Malsch (0:2). Ein Pils für den zweiten Durchgang der Reserve, bis man recht schnell merkte, dass das Tal am alten ASV einem Kühlschrank glich. Es herrschte ein ekliger kalter Wind, der Einfluss auf die weitere Getränkewahl nahm - es sollte ein Kaffee werden. Anzumerken sei noch, dass die SSV-Garage Leckereien anbot, die ich so selten auf Sportplätzen erlebe - und ich, wie sagt man so schön, »komm rum wie de Fußpilz!« Baquette in allen Variationen und Pizzastücke…in Sachen Gaumenschmaus ist der SSV Verbandsliga, in Sachen Fußball gingen beide SSV-Mannschaften an jenem Nachmittag ohne Tore und Punkte vom Geläuf und ich machte mich mit Reinhold-Messmer-Gedächtnis-Erfrierungen Mitte der ersten Halbzeit der Ersten vom Acker. Auch am Sonntag sollte der Fußball im Mittelpunkt stehen und so reiste ich nach Rheinstetten-Forchheim, wo die »Vierte« der Sportfreunde die »Zwote« der Freien Turner erwartete. Verdient gewannen die Hausherren, die in allen Belangen besser waren (3:1), bevor dann die Zweite des Heimvereins auf Olympia Hertha zum A-Klassen-Kampf antrat. Für mich die dritte Halbzeit beim zweiten Pils und die Sportfreunde überzeugten von Anfang an. Dass die Hausherren zur Halbzeit 3:0 führten, überraschte nur denjenigen, der das blanke Resultat mitgeteilt bekamen. Die Diskrepanz entsprach den Spielanteilen bei optimaler Chancenauswertung. Am Ende hatten die »Sportis« mit einem 4:1 die Hand am »Buzzer«. 

Von Kühen, Ochsen und Stieren

In Durlach »tobte« mal wieder das Derby zu einer Zeit, in der halb Karlsruhe selber Fußball spielen musste. Schade eigentlich, denn solch ein Spiel sollte früher, später oder eben Samstagnachmittag stattfinden. Dann lässt sich sogar Geld verdienen. In dem Fall fand das Spiel eben zur gegebener Uhrzeit im Oberwald-Stadion zu Aue statt und die Heimmannschaft gewann mit späten Treffern 2:0. Nach den Toren von Attia und Stamer konnte die SpVgg den Blinker setzen und den ASV tabellarisch überholen. Neuer Spitzenreiter in der B2 - eine Liga, in der niemand so recht aufsteigen möchte, der SV Spielberg II. »Allahopp«, dachten sich die »Göckler« Reserven und profitierten von den Niederlagen der Palmbacher und »Freien«, aus Forchheim. Sie dürfen nach dem 5:1 im Derby gegen den TSV Reichenbach II fortan vom Gipfelkreuz grüßen. Das war eine Zeit lang der Job der »Spanier«. Doch dem Stier fielen die Hörner aus und seither stolziert die iberische Schinkenmanufaktur als Allerweltskuh umher. Doch am vergangenen Sontag wuchs dem animalischen Wassertrinker mal wieder Gehörn - zumindest für eine Halbzeit. Mutz, Araya und Benda schossen den FC Español II am Völkersbacher Wasen mit 3:0 in Front. Doch wer den Ochs nicht kennt, der hat den »Stier« nicht verdient…David Ochs leitete die Aufholjagd nach 63 Minuten ein und traf nach 90 Minuten ein zweites Mal. Dazwischen lagen Treffer von Wehrle (70.) und Wipfler (86.), die das Unmögliche möglich machten und einen 4:3-Sieg einstellten. Man munkelt, dass die Völkersbacher anschließend die Kuh fliegen ließen. 

Kevin allein im Strafraum

Tolles Derby in Büchig, wo die Blankenlocher Reserven den Lokalmatadoren Büchig II besuchten. Die »Aruannos« aus Büchig sorgten für ein 3:2 nach 47 Minuten ehe der ehemalige Durlacher Ridinger die »Entscheidung« beiführte (4:2). Doch da machten die »Schweizer« die Rechnung ohne »Kevin, alleine im Strafraum«. Der SVB-Virtuose Kevin Meyer traf an jenem Tag dreimal, sein Pendant Krause einmal und so trennten sich beide Mannschaften in einem überaus »geilen« Spiel 4:4-Unentschieden. Schiri Kirchenbauer konnte ohne Eskorte den Platz verlassen…immerhin pfiff er in der 80.Minute einen Elfmeter für den Gast, den genannter Meyer zum 4:4 reineierte. In den vergangenen Kolumnen hatte Mike Singer bereits seine Schlagzeilen. Der Referee gilt als wenig zimperlich und nutzt sein Reservoir an Karten. Nun stand der Regelverfechter erneut im Fokus beim Spiel der Germanen II aus Neureut und dem Topteam, FC Fackel aus Karlsruhe im Rahmen der B1. Zwei Elfmeter im Spiel, drei gelbe und zwei gelbrote Karten in den letzten fünf Minuten. Am Ende gewannen die Germanen aus Neureut völlig überraschend 2:1 gegen die Fackelaner. Philipp Schimpf hieß der Mann, der das Spiel zwischen GSK und Karlsruher SV leitete (A1). Der Novize aus der Waldstadt lag seit der 73.Minute mit 0:1 zurück bis der Unparteiische einen Heimspieler mit Rot zum Duschen schickte und obendrein sechs Minuten nachspielen ließ. Dem nicht genug zeigte der Referee nach 95 Minuten auf den ominösen Punkt im GSK-Strafraum, was sich der KSV nicht nehmen ließ und egalisierte (Monteiro). Manchmal muss man halt auch ein wenig Geduld üben. Schiri Basaran aus Kirchfeld liebt die badische Farben-Zwietracht. Er schaffte es rekordverdächtige 13 gelbe und zwei gelbrote Karten zu verteilen. Nicht irgendwo auf der Messe beim Einlass zur Unterhaltung - sondern auf dem Sportplatz des TSV Schöllbronn, die den SC Neuburgweier II zu Gast hatten. Die Heimmannschaft gewann das A2-Spiel 3:2 und macht sich wieder berechtigt Hoffnungen, in die Kreisliga aufzusteigen. Gefühlte Spielzeit an diesem Nachmittag…eine Stunde.

Am Wochenende geht es wieder rund

Kennen sie Aykut Duyguluer? Das Langensteinbacher Eigengewächs spielt beim Kreisligisten TSV Auerbach, die ja bekanntlich mit den Punkten in der laufenden Saison geizen. Der Abwehrrecke selber kann seine Treffer an einer Hand abzählen - sind doch eher Torverteidigungen sein Metier. Doch beim zweiten Saisonsieg seiner Auerbacher in Hagsfeld wollte er es wissen. Als Test nahm er den Weg des geringen Widerstands und manifestierte ungedeckt einen Eigentreffer (58.). Sieben Minuten später konnte selbiger auf der anderen Seite den TSV wieder in Front bringen (2:3). Im Nachhinein der Wegweiser zum »Drilling«. Der Vorletzte nahm ein 4:2 mit nach Hause und wahrte seine Chancen drinzubleiben. »Am kommenden Wochenende geht es wieder rund…erst regional, dann in Dortmund!« Als gedemütigter Schalker und Meister der Herzen ein tolles Wochenende, an dem ich den regionalen Kick aber nicht minder wertschätze als das kommerzielle Rumgeschiebe, in dem Sportler mit Millionen unmenschlich verdienen dürfen, bei Überschreitungen des Zapfenstreichs und Knigges aber stets menschlich behandelt werden wollen. Mein Tipp - hängt das Fußballerleben an den Nagel und arbeitet für 2000 Euro im Monat. Dann kann man sich auch mal daneben benehmen und keine Sau interessiert es. »So mach ich es!« 

Kreizköpfe, Schröcker und ein Burner

Am Freitagabend erwartet der ATSV Mutschelbach den TSV 05 Reichenbach. Um 19:00 Uhr lädt die Primus-Fraktion den Verbandsliga-Absteiger nach dem Motto, »dort, wo ihr herkommt, wollen wir hin!« Sicher eine Top-Adresse für den Landesliga-Liebhaber. Eine halbe Stunde später tritt der SC Wettersbach beim FV Niefern zum Landesliga-Spiel an. Der Samstag hat dann ein paar Schmankerl parat. Stadtduell an der Tangente…Beiertheim erwartet den Mitabsteiger, PS Karlsruhe (A2). Wie das zweite A2-Spiel an jenem Mittag, FC Berghausen II vs. TSV Oberweier, findet auch das Stadt-Gebrüll um 14:30 Uhr statt. Oberligist SV Spielberg freut sich ab 14:30 Uhr auf Balingen. Für die Heimmannschaft geht’s um den Klassenerhalt - ein Sieg würde dem Unterfangen sicher Rückhalt geben. Ebenfalls um 14:30 Uhr darf sich der ASV Durlach mit den Kirrlacher Olympioniken auseinandersetzen. Der Sonntag bietet dann ab 13:00 Uhr folgende Spiele an. Der FC Viktoria Jöhlingen II ist in der Stadt zu Gast. Olympia Hertha II heißt die »Kreizköpfe« willkommen. Ein zweiter Knaller in der C2 (13:00 Uhr) - die beiden Topreserven vom KSV II und GSK II spielen im Nordstern-Stadion um Spitzenpunkte. Um 14:30 Uhr erwartet dann der SV Langensteinbach, Remiskönig der Landesliga, den FC Flehingen. »Unter Druck«, denn die Weber-Jungs benötigen diesen Dreier dringend. Der »Burner« wird dann ab 14:45 Uhr in Leopoldshafen stattfinden. Der heimische FVL hat den Krösus der Liga zu Gast. Die DJK Mühlburg hinkt als Dritter hinterher und sieht nur eine Chance, das Malheur zu umgehen…am kommenden Wochenende die ungeschlagenen »Schröcker« erschrecken (A1). Abstiegsknaller zwischen zwei Mannschaften in der A2, die als renommiert gelten. Die SpVgg Söllingen erwartet um 14:45 Uhr den FV 04 Wössingen. Derbytime im gleichen Rahmen (A2) beim Plausch, Ettlingenweier II gegen den TSV Schöllbronn und ein Spitzenspiel, eine Etage tiefer am Rüppurrer Schloss. Die Kroaten (2.) fordern den Spitzenreiter Viktoria Jöhlingen (14:45 Uhr). Ein weiterer Kracher findet in der B2 (14:45 Uhr) statt, wenn die zuletzt strauchelnden Palmbacher die zuletzt strauchelnden Kleinsteinbacher erwarten…Bleibt noch der C1-Brüller, SV Hohenwettersbach gegen den ASV Hagsfeld II. Beide Teams klopfen brachial am B-Klassen-Tor (14:45 Uhr). 

Würzige Kicks am Wochenende

Euch liebe Leser wünsche ich bei milden Temperaturen würzige Kicks mit ordentlich Beilagen. Ich denke, es ist für alle was dabei…Stubenhocker, Fertigpizza-Esser, Bratwurst-Bomber, Pilz-Päpste, Derby-Dieterlen und Glückwein-Glucken…ich werde mir sicherlich einige gute Kicks anschauen und mit Sicherheit ein Auge auf meinen FC Schalke werfen…

Allahopp, euer Oli!

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