Tunesier zu Unrecht in U-Haft: Prozess gegen angebliches Opfer

Karlsruhe (dnw/as) Der Fall hatte im Januar 2017 in Karlsruhe für großes Aufsehen gesorgt: Ein tunesischer Student saß acht Wochen lang unschuldig hinter Gittern, weil er dringend verdächtigt wurde, Frauen sexuell belästigt zu haben.

Heute hat vor dem Karlsruher Amtsgericht der Prozess gegen ein angebliches Opfer begonnen, auf dessen Anzeige hin der 22-Jährige verhaftet wurde. Die 24-Jährige ist wegen Freiheitsberaubung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hat zwei Jahre auf Bewährung gefordert. Außerdem Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von 7.000 Euro.

Zeuge entlastete den Verdächtigen

Nach fünf Attacken auf Frauen in Karlsruhe war gegen den 22-jährigen Studenten wegen dringenden Tatverdachts Haftbefehl erlassen worden. Zuvor hatten die Ermittler mit Bildern aus einer Überwachungskamera nach dem Mann gesucht. Der stellte sich - beteuerte aber seine Unschuld. Bei der Vernehmung eines Zeugen gab es dann eine überraschende Wende.

Richter hat Freilassung angeordnet

Die überprüften Zeugenangaben führten dazu, dass die Kripo nicht mehr von einem dringenden Tatverdacht gegen den 22-Jährigen ausging. Die Staatsanwaltschaft hatte dann die Aufhebung des Haftbefehls beantragt und der zuständige Richter daraufhin die Freilassung des Studenten angeordnet. 

DNA-Spuren erhärteten damals Verdacht

Nach der Anzeige durch die damals 23 Jahre alte Frau hatten die Ermittlungsbehörden Überwachungsfotos aus einer Straßenbahn veröffentlicht. Dies hatte den Verdächtigen zwar dazu veranlasst, sich in Begleitung eines Rechtsanwalts bei der Polizei zu stellen. Der 22-Jährige machte aber von seinem Aussageverweigerungsrecht auch dann noch Gebrauch, als er nach einem Abgleich mit DNA-Spuren an der Frau überführt schien und in Untersuchungshaft kam. Nach den Aussage des Zeugen und den späteren Angaben der vermeintlich Geschädigten hatte die junge Frau den 22-Jährigen am Abend des 21. Januar 2017 aus freien Stücken nach Hause begleitet.

Junge Frau muss sich wegen Freiheitsberaubung verantworten

Weil sie gegenüber den Ermittlungsbehörden falsche Angaben gemacht und den 22-Jährigen zu Unrecht belastet haben soll, muss sich die jetzt 24-Jährige wegen Freiheitsberaubung vor Gericht verantworten. Bezüglich der vier weiteren nächtlichen Angriffe wurde ein anderer Verdächtiger verhaftet. Der war in der Nacht zum 20. Februar nach einer versuchten sexuellen Nötigung einer 22 Jahre alten Frau in der Gartenstraße festgenommen worden und in Haft gekommen.

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