Karlsruher Urteil im Missbrauchsskandal: Acht Jahre Haft und Sicherungsverwahrung

Karlsruhe (dpa/lsw/er) - Es ist ein Fall, der für die deutsche Justiz nicht einfach ist. Die Täter agierten im Darknet, nicht alle Anschuldigungen lassen sich nachweisen und die Brutalität der Täter ist für alle Prozessbeteilgten nur schwer zu verstehen. Am gestrigen Freitag fiel nun in Karlsruhe das Urteil: das Landgericht verurteilte den Täter im Zusammenhang mit dem Freiburger Missbrauchsskandal zu acht Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Über zwei Jahre lang war das Kind von seiner Mutter und deren Partner an andere Männer für Sex gegen Geld überlassen und selbst von der eigenen Mutter und ihrem Partner missbraucht worden. Der in Karlsruhe verurteilte Täter war einer der Kunden, doch zur Tat kam es nicht. Dem norddeutschen Elektriker wurde vorgeworfen den Partner der Mutter im Darknet kennengelernt zu haben und gefragt zu haben, ob er das Kind missbrauchen und anschließend töten könne. 

Sicherungsverwahrung auch wegen hoher Rückfallgeschwindigkeit

Die Mordfantasien sind nachvollziehbar, dem Gericht gelang es nicht dem Täter nachzuweisen, dass er diese auch in die Tat umsetzen würde. Das Gericht ließ aber keinen Zweifel daran, dass der einschlägig vorbestrafte Mann gefährlich für die Allgemeinheit ist. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit eines erneuten Missbrauchs. Der Angeklagte habe seine pädosexuellen Fantasien und seine sadistischen Neigungen an Kindern ausleben wollen. "Es kam Ihnen darauf an, Schmerzen zuzufügen", sagte der Richter zu ihm. Straferschwerend wertete das Gericht zudem die hohe "Rückfallgeschwindigkeit" trotz einer vorangegangenen Therapie.

Täter bereits einschlägig vorbestraft

Das Landgericht Kiel hatte den Angeklagten 2010 zu elf Jahren Haft verurteilt. Er soll den Tausch seines Sohnes mit dem eines Schweizers vorbereitet und in Online-Chats Missbrauch und Ermordung durchgespielt haben. Weil der Bundesgerichtshof das Urteil kassierte, musste er seine Strafe nur bis 2015 absitzen. Er kam unter Auflagen frei. Dazu gehörte es, dass er sich Kindern nicht mehr nähern durfte.

Sicherungsverwahrung möglich wegen zweifacher einschlägiger Verurteilung

Die Karlsruher Staatsanwaltschaft hatte imaktuellen Fall den einschlägig vorbestraften 44-Jährigen wegen Sichbereiterklärens zum Mord, zum sexuellen Missbrauch von Kindern und zur Vergewaltigung angeklagt und schon zum Prozessauftakt eine Sicherungsverwahrung angeregt, weil er bereits zweimal einschlägig verurteilt worden sei und seinen kindlichen Opfern schweren Schaden zugefügt habe. Die Sicherungsverwahrung muss alle zwei Jahre überprüft werden und könnte zu einer Freilassung des Täters führen. 

Verdeckte Ermittler lockten Täter in die Falle

Geschnappt wurde der Mann, weil er die Festnahme des Paares aus Staufen nicht mitbekommen hatte. Ein verdeckter Ermittler gab sich als Freund der Mutter aus. Unter dessen Decknamen "geiler Daddy" lockte er den 44-Jährigen nach Karlsruhe. In der Hoffnung, in einem nahen Schrebergarten den Jungen vergewaltigen zu können, traf er sich mit seinem vermeintlichen Chat-Partner in einem Schnellrestaurant im Karlsruher Hauptbahnhof. Kurz darauf klickten die Handschellen für ihn.

Weite Teile des Karlsruher Prozesses - darunter die Plädoyers und die Aussage des Angeklagten - hatten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Seine Anwältin hatte das beantragt, weil der Angeklagte über sein Vorleben und seine Neigungen auspacken wollte.

regionews-Facebook Seite

Weitere Beiträge in der Kategorie: regio-news Karlsruhe  

Das könnte Sie auch interessieren...

Karlsruhe to go: Nachhaltiger Fächer-Becher für Karlsruhe

Ab morgen weht wieder die badische Fahne auf dem Karlsruher Schloss

Vandalismus: einfach Baum umgesägt

Mehrere Einbrüche am Wochenende im Stadtgebiet

CDU-Fraktion bekennt sich zu Majolika als Kulturinstitution

19-Jähriger bei Raub schwer verletzt

 

AlternativeFM wird Ihnen präsentiert von:

Alles zum KSC!

Kein KSC-Testspiel gegen Team von Ex-Coach Winnie Schäfer

Kein KSC-Testspiel gegen Team von Ex-Coach Winnie Schäfer

Karlsruhe (dpa/as) Das hätten die Fans sicher gern gesehen - ein Testspiel des KSC gegen die Mannschaft von Ex-KSC-Trainer Winnie Schäfer. Der hat...

Der KSC wird Ihnen präsentiert von:

Event-Tipp der Woche

Phil  wieder bei Flugplatz-Open-Air

Phil wieder bei Flugplatz-Open-Air

Bruchsal (pm). „Phil“ startet anlässlich des 20. Bandjubiläums durch und veranstaltet nach achtjähriger Pause wieder ein großes...