Polizei erkundet die Karlsruher Unterwelt und macht sich ein Bild von den zukünftigen Haltestellen

Karlsruhe (pm) - Gebannt hört die kleine, mit roten Bauhelmen und orangefarbenen Sicherheitswesten ausgerüstete Besuchergruppe den Ausführungen von Robert Rieth zu. Der Bauingenieur, der für die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) die Gruppe durch Haltestellen und die Tunnelabschnitte führt, weist auf die später durch die Verkehrsbetriebe Karlsruhe genutzten Betriebsräume hin. Er erklärt, wo die Treppenabgänge sind, wo es Rolltreppen gibt und wo sich die Zwischenebenen erstrecken. Hier zeigt er auf einen Aufzugschacht, dort deutet er die Lage der später sich unter dem Marktplatz befindlichen Toilettenanlage hin.

 

Alles Nebensächlichkeiten? Keineswegs – denn bei der Gruppe handelt es sich nicht um Besucher, die am Komfort für die später hier ein- und ausgehenden Fahrgäste interessiert sind.  Die Besucher sind Leiter oder stellvertretende Leiter von Dienstgruppen der Karlsruher Polizeireviere. Und es ist auch nicht die einzige Gruppe, die in diesen Tagen von der KASIG durch die gewaltigen unterirdischen Bauwerke durchgeschleust wird: Rund zehn Gruppen mit einer Stärke von bis zu 15 Polizeibeamten verbringen aktuell zwei Stunden ihrer Dienstzeit unter der Erde.

Der Sinn der Übung: Schon jetzt ist beiden Beteiligten – der KASIG genauso wie der Karlsruher Polizei – daran gelegen, dass die Beamten bei einem polizeilichen Einsatz Ortskenntnis besitzen. Denn die bisherige Karlsruher Innenstadt-„Landschaft“ hat sich mit den im Rohbau fast fertigen Tunnelabschnitten und insbesondere den Haltestellen, deren Zugängen und auch den Einfahrtsrampen gewaltig verändert. War früher auf dem Marktplatz – abgesehen von der alten Toilettenanlage – kein „Untergrund“ vorhanden, tun sich inzwischen Treppenabgänge auf, darunter dann Zwischenebenen und letztlich auch viele größere oder kleinere Räume, die später Technik beherbergen. Für Polizisten ist es deshalb wichtig, schon jetzt zu wissen, wo die Treppen hinführen und was die Beamten erwartet, wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – in eine Haltestelle gehen müssen.

Und entsprechend an polizeilichen Interessen orientiert kommen dann auch Fragen auf: Ob die jetzt noch frei zugänglichen Betriebsräume später verschlossen sind, welche Zugänge die Zwischenebene über dem Gleisdreieck (die als Umsteigeebene zwischen den Haltestellen Marktplatz und Lammstraße dient) haben wird – solche und viele andere Fragen beantwortet Robert Rieth geduldig. Manchmal freilich schimmern auch andere Interessen durch: Fragen nach den Mengen des eingebauten Betons gehören dann ebenso dazu wie die Frage, wo denn genau der Direktzugang zum Einkaufszentrum am Ettlinger Tor aus der Haltestelle heraus liegen wird.

Am Ende der unterirdischen Tour wartet dann noch ein besonderes Schmankerl auf die Polizeibeamten: In einem Container laufen die Bilder von bis zu 64 Videokameras auf, die jetzt schon in jede Ecke der Haltestellen, Rampen und Tunnelabschnitte blicken und diese Bilder auf die Bildschirme im Container übertragen. Hier ist die Sicherheits- und Logistikzentrale für den Innenausbau des Stadtbahn- und Straßenbahntunnels untergebracht. Aus dem Container heraus werden die täglich über die Rampen einfahrenden Baufahrzeuge gesteuert, von hier aus erhalten Besucher Zutritt über die inzwischen durch Drehkreuze gesicherten Treppenabgänge. Auf den Bildschirmen ist auch jede Bewegung von ungebetenen Gästen zu verfolgen, die der Kombilösung aus einer Laune heraus außerhalb offizieller „Tage der offenen Baustelle“ oder von Terminen mit geführten Gruppen einen Besuch abstatten wollen. Die gute Laune ist dem ein oder anderen dann sehr rasch vergangen – wenn zunächst der Sicherheitsdienst und gleich anschließend die Polizei die eigenmächtige Tunnelbegehung abrupt beendete.

Am Ende der Führung sind die Polizisten zufrieden: Alle Fragen sind beantwortet, die Ortskenntnis in den Kombilösungs-Bauwerken ist erworben. So wird die Inbetriebnahme später auch keine Überraschungen für die Beamten bringen – sie kennen sich ja jetzt schon bestens aus in der Karlsruher Unterwelt.


 

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