Nach Münchner Amoklauf 2016 - Anklage gegen Karlsruher Internet-Plattformbetreiber

Karlsruhe / Mannheim (dpa/cmk) Nach dem schrecklichen Amoklauf in München, bei dem im Jahr 2016 insgesamt neun Menschen - darunter acht Jugendliche - von einem 18-Jährigen Amokschützen erschossen wurden, erhob die Staatsanwaltschaft Mannheim nun Anklage am Landgericht Karlsruhe gegen einen Karlsruher. Der Internet-Plattformbetreiber soll es dem späteren Täter ermöglicht haben, die bei der Bluttat eingesetzte Waffe zu erwerben. 

Fahrlässige Tötung in neun Fällen

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat Anklage gegen einen Internet-Plattformbetreiber erhoben, weil er dem Schützen des Amoklaufs in München 2016 den Erwerb der eingesetzten Waffe ermöglicht haben soll. Der Verdacht der Behörde lautet nach deren Angaben vom Freitag auf fahrlässige Tötung in neun Fällen und fahrlässige Körperverletzung in fünf Fällen im Zusammenhang mit der Bluttat im Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Dort hatte am 22. Juli 2016 ein 18-jähriger Schüler acht Jugendliche und eine 45 Jahre alte Mutter erschossen, bevor er sich selbst das Leben nahm. 

Über Spenden in Kryptowährung Bitcoin finanziert

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage beim Landgericht Karlsruhe. Der 31-Jährige aus Karlsruhe sitzt in Untersuchungshaft. Er soll als alleiniger Administrator das von ihm erstellte Forum "Deutschland im Deep Web" für Verkaufsgespräche bereit gestellt haben. Bei der auf größtmögliche Abschottung ausgerichteten und seit März 2013 betriebenen Online-Plattform handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um eines der größten sogenannten Underground-Economy-Foren im deutschsprachigen Raum. Das Forum im Darknet mit zuletzt 23 028 registrierten Nutzern sei im Juni abgeschaltet worden. Die Plattform sei nur durch Spenden in der Kryptowährung Bitcoin finanziert worden.

Verdacht auf Beihilfe zu Verstößen des Waffengesetzes

Nach Ansicht der Ankläger hätte der 31-Jährige erkennen können und müssen, dass sich außerhalb des legalen, kontrollierten Waffenmarktes unzuverlässige und labile Personen eine Waffe verschaffen können und diese auch zur Tötung oder Verletzung von Menschen – wie beim Münchner Amoklauf geschehen – nutzen könnten. Der Beschuldigte soll überdies ein Tauschgeschäft zweier halbautomatischer Kurzwaffen mit Munition ermöglicht haben. An diesem ist nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auch der mutmaßliche Verkäufer der Tatwaffe von München beteiligt gewesen. Deshalb wurde der Mann auch wegen Verdachts auf Beihilfe zu Verstößen gegen das Waffengesetz angeklagt. Weitere Vorwürfe betreffen etwa die Beihilfe zum vorsätzlichen unerlaubten Handeltreiben mit einer Schusswaffe in 17 Fällen, zum vorsätzlichen unerlaubten Erwerb einer halbautomatischen Kurzwaffe in acht Fällen und zum vorsätzlichen unerlaubten Erwerb einer Schusswaffe in neun Fällen.

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