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600 Tiere in Wörth vor der Tötung: Geflügerzüchter schockiert über Anordnung

Wörth (che) Der Rassegeflügelzuchtverein Wörth (RGZV) muss sich nach aktueller Lage von allen 600 Tieren in der Anlage verabschieden. Die Kreisverwaltung Germersheim hat nach Prüfung der Gesetzeslage verfügt, dass sämtliches Geflügel des Vereins gekeult, also getötet wird. Der RGZV wollte in diesem Jahr eigentlich sein 60-jähriges Jubiläum feiern, nun steht der Verein vor dem Aus.

Neun Tiere infiziert, hunderte müssen sterben

Am Wochenende wurde bei insgesamt neun Tieren des RGZV Wörth des Vogelgrippevirus HN5 festgestellt. "Die Vogelpestverordnung sagt ganz eindeutig aus, dass in diesem Fall zur Sicherheit der angrenzenden Geflügelhalter alle Tiere gekeult werden müssen", berichtet Landrat Dr. Fritz Brechtel anlässlich einer Pressekonferenz. "Das wird auch unverzüglich umgesetzt. Ich rechne damit, dass die Tiere in den nächsten beiden Tagen leider Gottes gekeult werden müssen", so Brechtel.

Verein im Jubiläumsjahr der Existenz beraubt

Joachim Gottschang kann das alles nicht verstehen. Er ist der Vorsitzende des RGZV, Mitglied seit 40 Jahren, und sieht jetzt im Jubiläumsjahr alles tragisch den Bach hinunter gehen. "Ich bin als Zehnjähriger in diesen Verein eingetreten und nun schlachtet man uns zum 60. Geburtstag alle Tiere weg", so Gottschang. "Von Seiten der Kreisverwaltung macht man es sich leicht. Die sagen: 'Wir haben da ein Gesetz. Dem leisten wir Folge und der einfachste Weg ist der, dass wir alle wegkeulen und dann ist das Thema erledigt!' Es interessiert doch gar niemand, was mit dem Verein ab übermorgen ist!"

Landrat sieht sich durch Gesetzeslage zur Keulung gezwungen

Der Landrat widerspricht Gottschang in diesem Punkt und spricht von einer hohen emotionalen Betroffenheit. "Der Verein engagiert sich sozial im Ort und mit blutet das Herz, dass wir diese radikalen Maßnahmen umsetzen müssen", so Brechtel. "Ich habe aber als jemand, der die Gesetze durchsetzen muss und für die Sicherheit der Menschen und der Tiere verantwortlich ist, keine andere Möglichkeit." Die Gesetzeslage gebe es vor, genau so zu handeln.

Verein bietet Alternative zur Massen-Keulung

Der Vorsitzende des RGZV sieht das anders. Er schlug dem Landrat bereits eine Alternative vor: "Ich habe den Vorschlag verbreitet, dass man die infizierten Tiere rauskeulen könnte, den Restbestand erneut beproben und unter Beobachtung stellen. Die gesamte Anlage bliebe weiterhin ein geschlossener Trakt und wird immer wieder beprobt. Wenn sich weiterhin HN5-Träger finden sollten, könnte man die betroffenen Tiere rauskeulen, aber die gesunden am Leben lassen", hoffte Gottschang auf ein Einlenken der Verantwortlichen. Doch es bleibt bei der Entscheidung, die Tiere allesamt zu töten.

Auch seltene Tula-Gänse unter den Tieren auf dem Vereinsgelände

Zu den rund 600 Vögeln gehören auch zwei weiße Tula-Gänse. Nur noch eines von zwei Pärchen überhaupt in Deutschland. "Ich habe den Antrag gestellt, wenigstens das Paar nochmals beproben zu lassen. Bei mir im Garten. Noch nicht mal das durfte ich", so Gottschang. "Es gibt keine Zukunft mehr für den Verein", bilanziert er niedergeschlagen. Der finanzielle Schaden belaufe sich auf rund 100.000 Euro, aber der sei eher das Geringste. "Es geht nichts ums Geld, sondern um die Tiere", sagt Gottschang.

BSE-Anwalt soll nun versuchen, rechtlich gegen Keulung vorzugehen

Eine Fremdfirma soll nun in den nächsten beiden Tagen die Keulung der Tiere vornehmen. "Das sind 60 bis 70 Rassen", erklärt Gottschang. Er rechne zwar mit der Tötung, will diese aber weiterhin um jeden Preis verhindern. "Sonst müsste ich mir das den Rest meines Lebens vorwerfen, nicht alles versucht zu haben!" Ein renommierte Anwalt, der bereits am BSE-Skandal in den Neunzigern gearbeitet hatte, hat sich nun des Falles angenommen. Viel Zeit, die Keulung noch zu verhindern, bleibt ihm nicht mehr.

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