KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer: "Auch ich werde am Erfolg gemessen"

Karlsruhe (che) Der Karlsruher SC hat ein schwieriges Jahr hinter sich: mit dem Abstieg verabschiedet sich der KSC aus der 2. Bundesliga, stolpert danach eine Etage tiefer in die Saison hinein. Mit dem dem erneuten Wechsel auf der Trainerbank geht es sportlich wieder aufwärts, während im Vorstand weiterhin der Neubau des Wildparkstadions fast täglich für neue Diskussionen sorgt. regio-news.de hat mit Alois Schwartz, Oliver Kreuzer und Ingo Wellenreuther gesprochen und Bilanz eines turbulenten Jahres gezogen. Heute im Interview: der Sportdirektor, Oliver Kreuzer.

Herr Kreuzer, Anfang 2017 kam Mirko Slomka als großer Heilsbringer zum Karlsruher SC und musste den Verein schon kurze Zeit später wieder verlassen. Was lief damals schief?

Er hat einfach zu wenig Punkte geholt. Ich war damals der festen Überzeugung, dass er der richtige Trainer für den KSC ist. Im Endeffekt war es dann so, dass wir irgendwann aus den fehlenden Punkten Konsequenzen ziehen mussten und ihn nach leider nur dreieinhalb Monaten wieder freigestellt.

Danach kam Marc-Patrick Meister. Ein erfolgreiche Trainer im Jugendbereich, viele Vorschusslorbeeren. War er damals sozusagen der richtige Mann, aber zum falschen Zeitpunkt in der Situation?

Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, wer Mirko beerben könnte und ich habe Marc-Patrick Meister als Assistenztrainer vier Monate lang kennengelernt. Ich war der Überzeugung, dass er der Richtige ist, um den Neuaufbau der Mannschaft in der 3. Liga voranzutreiben. Am Ende waren es auch hier fehlende Resultate, da wir sehr, sehr schlecht in die Saison gestartet sind. Wir haben aus den ersten fünf Spielen magere vier Punkte geholt und sind dann auch zu dem Entschluss gekommen, dass es besser wäre, sich auf dieser Position nochmals zu verändern.

Mit Alois Schwartz haben Sie dann jemanden präsentiert, der endlich den Erfolg wieder zum Karlsruher SC gebracht hat. Wie wichtig war das auch für Sie in Ihrer Funktion als sportlicher Leiter, dass diese Entscheidung tatsächlich die Richtige war?

Jeder wird natürlich am Erfolg gemessen. Nicht nur der Trainer, sondern auch der Sportdirektor, ganz klar. Man handelt immer nach bestem Wissen und Gewissen, aber wenn man zurückschaut, dass Mirko Slomka nur kurz hier war und auch Marc-Patrick Meister nicht performt hat, ist es wichtig, dass dann der nächste Trainer besser abschneidet. Momentan ist das unter Alois Schwartz so und da hoffen wir auch, dass das so weitergeht.

Sie erleben Alois Schwartz hier jeden Tag in seiner Arbeit. Was macht er besser als seine Vorgänger, warum läuft es unter ihm so gut für den Karlsruher SC?

Primär hat er es mal hinbekommen, dass wir diese große Anzahl von Gegentoren nicht mehr kriegen und der Laden da hinten dicht ist. Es zeichnet ihn aus, dass er nichts verkompliziert. Er geht an die Basics und hat eine klare Ansprache gegenüber der Mannschaft. Bei den Spielern spüre ich Vertrauen ihm gegenüber und das ist die Grundvoraussetzung. Die Jungs haben wieder Spaß am Training und am Spiel. Natürlich tragen die positiven Resultate wöchentlich auch dazu bei, dass eine gute Stimmung in der Mannschaft ist und das Selbstvertrauen weiter wächst.

Der Kader wurde im Sommer ja komplett umgebaut. Wie zufrieden sind Sie denn mit den Neuverpflichtungen in der Breite. Bei wem hätten Sie sich mehr erhofft, wer hat die Erwartungen erfüllt?

Wir haben nach dem Abstieg eine ganz neue Mannschaft auf die Beine gestellt. Dass da nicht von Beginn an ein Rad ins andere greift, war uns auch klar. Wenn du 19 neue Spieler holst, dann ist es immer so, dass du am Ende feststellen musst, dass der eine oder andere hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, vielleicht doch nicht ganz zum Verein oder ins Spielsystem passt oder auch einfach nicht die Leistung abruft, die er bei seinen vergangenen Stationen gebracht hat. Insgesamt ist es aber noch zu früh, einen Stab über einen einzelnen Spieler zu brechen. Wir haben uns Mitte Juni kennengelernt, wir hatten noch einen Trainerwechsel. Den Alois Schwartz kennen sie jetzt seit zweieinhalb Monaten. Ich glaube, dass es einfach eine gewisse Zeit braucht, um zu wachsen und gewisse Automatismen sich einstellen. Das soll keine Entschuldigung sein, aber ab dem 5. Spieltag mit dem Interimsspiel von Zlatan Bajramovic haben wir uns richtig gut verkauft. Wir haben eifrig Punkte gesammelt und werden noch besser werden. Die aktuelle Punktezahl ist für einen neu formierten Kader gar nicht mal schlecht. Mit 30 Punkten stehen wir eigentlich relativ gut da. Tabellarisch hätte sich der ein oder andere mit dem achten Platz sicher mehr erwartet. Auf der anderen Seite ist es so, dass Paderborn und Magdeburg außergewöhnlich konstant aufgetreten sind. In den letzten Jahren lag der Tabellenführer in der Winterpause immer so zwischen 35 und 38 Punkten, dementsprechend wären wir dann in Reichweite. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir werden nach der Winterpause mit einer guten Vorbereitung einfach versuchen, den Abstand noch weiter zu verkürzen.

Sie haben den Tabellenstand angesprochen: ist denn überhaupt noch mehr drin als der Relegationsrang für den KSC? Die ersten beiden sind schon ganz schön weit weg.

Der Rückstand ist schon ein Pfund. Ich habe ja vor einiger Zeit gesagt: Wir schieben das Wort Aufstieg jetzt mal weg und schauen in der Winterpause, wo wir stehen. Es ist jetzt ein zweistelliger Rückstand. Ich habe immer gesagt: wenn wir an Weihnachten sieben, acht Punkte Rückstand haben, dann schauen wir mal, wie es weitergeht. Wir müssen einfach anerkennen, dass Paderborn und Magdeburg das bis heute sehr, sehr gut gemacht haben. Wenn diese Schlagzahl weitergeht, dann wird es sehr schwer, einen der ersten beiden Plätze zu erreichen, aber der Dritte ist sechs Punkte weg, wir haben ein Spiel weniger. Wir sollten einfach so weitermachen wie bisher, von Spiel zu Spiel schauen und dann werden wir am Ende sehen, wohin es geht.

Die Winterpause ist für den Sportdirektor auch immer eine Möglichkeit, noch ein bisschen was am Kader zu verändern. Im Moment spielt die Mannschaft eigentlich so gut, dass man sagen könnte: ist doch gar nicht nötig. Wie sehen Sie das: planen Sie noch jemanden zu verpflichten?

Es gibt schon Ansätze, wo wir uns noch verbessern müssten. Defensiv haben wir es ganz gut hinbekommen, aber in der Offensive haben wir einfach zu wenig Tore geschossen. Da müssen wir schauen, ob wir reagieren, ob es Möglichkeiten gibt, um die Mannschaft zu verbessern. Es kann auch sein, dass uns der ein oder andere Spieler verlässt, weil er aktuell etwas unzufrieden ist. Es kann also schon sein, dass sich in der Winterpause noch etwas tut. Konkret werden möchte ich da allerdings noch nicht.

Das Interview führte Christoph Heck

Nachtrag: gestern bestätigte Oliver Kreuzer bei abseits-ka.de den Abgang von Oskar Zawada. Der 21-Jährige wechselt in seine Heimat zum polnischen Erstligisten Wisla Plock. Zawada war nach seinem Wechsel vom VfL Wolfsburg zum Karlsruher SC nicht über eine Reservistenrolle hinausgekommen.

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