pfoschdeschuss (45): Botanophobie, Masochisten und mehr Haß

Karlsruhe (pfo/ame) Nirgendwo schlägt das Herz für den echten Fußball höher als in den unteren Spielklassen. Der Torwart telefoniert während des Spiels mal kurz mit der Ehefrau, der Top-Stürmer verlässt nach einem Hattrick den Platz, weil er zur Nachtschicht muss und der Schiedsrichter pfeift Abseitssituationen auf Zuruf. Genau das macht den Amateurfußball so liebenswert. Wir berichten immer am Freitag gemeinsam mit Oliver Raupp von pfoschdeschuss.de über das Wichtigste aus Karlsruhes Unterklassen. Wer das nicht liest, hat den Fußball nie geliebt.

Kritik an Spielansetzungen

Eingeschränkt bis lustlos lautete die Mission am vergangenen Spieltag. Wieder einmal schiffte es, was das Zeug hält und wieder einmal fiel die Masse an Spielen ins Wasser und wieder einmal hinterfragt sich die Gesellschaft, die sich seit Jahren mit dem Fußball auf regionaler Amateurhöhe konfrontiert sieht: wem ist der Zeitraum, in dem unsere Spiele stattfinden, eingefallen und warum werden die besten Monate außerhalb der Ferien von Fußball befreit? Stattdessen werden im Juni sinnlose Relegationsspiele angesetzt, die mit klaren Lösungen, die für jedermann nachzuvollziehen sind, überflüssig wie unfair erscheinen. Dieser Monat könnte bei bestem Wetter dazu dienen, rauschende Saisonausklänge mit anschließenden Festlichkeiten zu zelebrieren. Regentage, die in der kühlgemäßigten Klimazone nicht überraschend um die Ecke biegen, könnten zufriedenstellend kompensiert werden. Die Vorweihnachtszeit geht zurück an den Mann mit dem großen Sack, denn er ist der Hauptdarsteller. Aber wie gesagt...dass ist nur die Meinung eines Einzelnen…

Farbige Karten bei grauem Himmel

Mich trug’s am vergangenen Sonntag auf das Sportgelände des SV Hohenwettersbach, die im Spitzenspiel den ASV Hagsfeld II mit einem 3:2 niederrangen. Ein Resultat, dass in dieser Art nicht vorhersehbar schien, denn der Spitzenreiter von der Tagweide führte bereits 2:1 und spielte couragierter. Doch das weit entfernte Bier, das im Clubhaus lagerte, eröffnete uns eine Auszeit, in der die Blaugelben das Spiel drehten, nachdem sie bereits nach wenigen Minuten ein Elfmeter-Geschenk ausschlugen. Auf anderen Sportplätzen wurde ebenfalls mehr oder weniger »gepöhlert«. Lukas Schneider, Referee im Spiel des FV Malsch gegen den TV Spöck (Kreisliga), war der Meinung, dass eine gewisse Farbenpracht die düstere Grauzone an jenem Tag aufhellen könne. Acht gelbe Kärtchen und zwei knallrote für den Gast aus Spöck fanden den Weg aus den Textilien. Damit hatte der Spöcker »Esel« wenig Spaß und verlor prompt 1:4 im Federbach-Stadion. Der FV Malsch befindet sich damit weiter auf Landesliga-Kurs - die »Turner« aus Stutensee haben sich inzwischen im Mittelfeld eingenistet. Lokalmatador FC Spöck verweilte im fernen Auerbach, um die letzte Chance zu nutzen, doch noch die Klasse zu halten. Nach 65 Minuten schien Viktoria für Blauweiß zu erscheinen. Soeben fiel der Ausgleich, nachdem ein Auerbacher mit der Ampelkarte höflichst aufs Duschen vorbereitet wurde. Das schien dem »Kugelbax« aber wenig zu imponieren und Erismann, Auerbacher, signalisierte mit seinem zweiten Treffer (2:1) den Aufmarsch zum rettenden Ufer. Das Unmögliche wurde wahr - der Totgeglaubte aus Karlsbad ist nach drei Siegen in den vergangenen vier Spielen Drittletzter. 

Botanophobie beim Gipfelstürmer

Der Ausflug in die Gartenstadt: für die Germanen aus Friedrichstal gar nicht blumig und seither leidet der gestürzte Gipfelstürmer an Botanophobie. Der VfB Gartenstadt erntete ein 5:1 - für alle Beteiligten, die das Resultat am Sonntagabend erblickten, ein Rätsel und mindestens so sensationell wie ein 4:4 im Ruhrpott-Derby bei einer 4:0-Führung der Dortmunder - wenn es denn sowas gäbe. Die Jungs aus Stutensee-Friedrichstal in der Rolle des Knecht Ruprechts, der vor Weihnachten die weniger Betuchten beschert. Die Tabellenführung ist erst einmal futsch. Männertag in Forchheim…die Sportfreunde erwarten die Mutschelbacher Reserven und wer nun glaubt, dass Frauen keinen Zutritt hatten, der sah sich getäuscht, denn der sogenannte Tag des Muskulären trat erst während dem Spiel in Erscheinung. Baumann, Bachmann und Hoffmann trafen. Nur Caleta, was auf Deutsch so viel wie »kleine Bucht« heißt, mogelte sich, ohne einen »mann« zu tragen, unter die Schützen. Die Mutschelbacher gewannen 3:1 in der Karlsruher Straße und stehen dort, wo die Forchheimer gerne stünden - an der Tabellenspitze (Kreisliga). 

Mehr Haß in Forchheim

Großkampftag in Leopoldshafen zwischen dem Spitzenreiter FVL und dem Gast aus Mühlburg. Die Herausforderer aus der Stadt gewannen überraschend 3:1 bei den »Schröcker« und am Ende pfiff es der »lachende Hans« aus dem nebenliegenden Vogelpark - nach achtzehn Spielen ohne Niederlage ist es geschehen. Die Leopoldshafener wurden auf dem falschen Fuß erwischt (A1). Die Freien Turner aus Forchheim haderten mit dem Verband. Vor über einem Monat traten die »Grießer« zu einem Spiel gegen den FC Español Karlsruhe II an. Der spanische Gegner hatte das Spiel wohl mit einem Pelota-Match verwechselt und so versammelten sich sechs Pelotaris um mit dem Ball zu tanzen. »Zu wenig« meinte Lütfü Esmeray, Schiedsrichter des Spiels, und zog von dannen. Damit endete die Partie richtigerweise 3:0 für die »Turner«. Doch dieses Szenario ging spurlos am Turmberg, wo die Obrigkeit des Verbandes ihren Dienst verrichtet, vorbei und so wurde kurzerhand das Spiel neu angesetzt. Wütende Proteste beim Sieger, Ratlosigkeit bei der Instanz, was zur Folge hatte, dass die Tabelle vier Wochen lang schlichtweg falsch war. Nun endlich - und man hörte den Groschen bis ins Dammfeld fallen, die Einsicht. Das neu angesetzte Spiel löste sich in Staub auf - stattdessen wurden die Rheinstettener über Nacht stolzer Besitzer dreier Punkte. »Rom ist auch nicht an einem Tag entstanden und wenn der Capo auf dem Schlauch sitzt, dann ist der erste Schritt die Einsicht zur Besserung - oder eben nur der Grund, den Fuß vom Schlauch zu nehmen.« Am vergangenen Sonntag hatten die Forchheimer dann Glück, dass sie einfach mehr Haß besaßen. Mike Haß traf nach 94 Minuten zum Endstand von 3:1 gegen den Bulacher SC…seither grüßt die Truppe wieder von der Tabellenspitze der B2. 

Pessimist, Optimist und Masochist

Wer am kommenden Wochenende vor dem Glühwein-Genuss auf dem Christkindlesmarkt nochmals dem Ball nachschauen möchte, der bekommt Gelegenheit. Der »renaissancesierte« KSC empfängt bereits am Samstag um 14:00 Uhr den VfR Aalen. Der Pessimist ist der Meinung, dass die »Schwartz-Malerei« zum ersten Abstiegsplatz zwölf Punkte entfernt ist - der Optimist - im Übrigen vor wenigen Wochen noch Masochist - redet von einer 5-Punkte-Distanz zum Dritten. Ich als Realist sage ihnen…beide haben Recht. Um 14 Uhr erwartet der Fvgg 06 Weingarten den ASV Hagsfeld im ersten Rückrunden-Kreisliga-Duell - wenn Petrus will. Ein paar Klassen höher - gleiche Uhrzeit - der Talberg zu Spielberg ruft und Göppingen kommt. Klassenkampf beim SVS. Der Sonntag bringt dann den Keller-Krimi zum Tragen. Der TSV Auerbach erwartet den FC Berghausen. Um 14 Uhr ist Anpfiff in der Pneuhage-Arena zu Karlsbad. Beim SC Wettersbach kann ebenfalls ab 14 Uhr ein Nachholspiel im Landesliga-Sektor bewundert werden. Derby-Time…die Wettersbacher erwarten Fortuna aus Kirchfeld. Wir schließen uns dem Wetter an und halten die Programm-Vorschau klein. Nun hoffen wir mal, dass nicht nur in der Beletage um Tore gefeilscht werden und dass wir uns am kommenden Sonntag mit tollen Kicks warmhalten dürfen. Ihnen liebe Leser wünsche ich ein glühweinumworbenes Wochenende und orangeatfreien Stollen - nicht nur auf dem Fußballplatz. Wer dann doch vom Regenwetter übermannt wird - der kann ab 14:00 Uhr »Franziskas Gespür für Männer« auf 3.Sat anschauen oder mit Frau und Tochter »Zwischen Tüll und Tränen« begutachten (VOX). Ich entscheide mich für Sinnvolleres und lade mich bei Freunden zum Bier ein…

Allahopp, euer Oli!

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