pfoschdeschuss (34): Flaschenpfand, Ü-50-Keeper & Fusionswut

Karlsruhe (pfo/che) Nirgendwo schlägt das Herz für den echten Fußball höher als in den unteren Spielklassen. Der Torwart telefoniert während des Spiels mal kurz mit der Ehefrau, der Top-Stürmer verlässt nach einem Hattrick den Platz, weil er zur Nachtschicht muss und der Schiedsrichter pfeift Abseitssituationen auf Zuruf. Genau das macht den Amateurfußball so liebenswert. Wir berichten immer am Freitag gemeinsam mit Oliver Raupp von pfoschdeschuss.de über das Wichtigste aus Karlsruhes Unterklassen. Wer das nicht liest, hat den Fußball nie geliebt.

Pfand nur bis der Schiri pfeift

Bereits am Samstag nach vollbrachter Dienstleistung bei einem ehemals staatlichen Betrieb machte ich mich auf den Weg, dem Spitzenspiel der Kreisliga, FVgg 06 Weingarten gegen den ATSV Mutschelbach II, meine Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht aber, wie gewohnt, mit dem überdachten Blechboliden sondern schlicht, fromm, frei und nostalgisch mit dem Drahtesel…auch, um das Kontingent an isotonischem Getränk dezent zu erhöhen. Im Ausschank - grünes Karlsruher Pils aus dem Drittel-Liter-Fläschen. Das Spiel selbst, ähnlich wie der Zuschauer-Andrang auf der Waldbrücke, bescheiden. Die durchwachsene Leistung des jungen Referees fiel hierbei nicht sonderlich ins Gewicht. Weingarten kam durch einen mehr als fragwürdigen Elfmeter zum Tor; Mutschelbach konterte in der Schlussminute mit dem 2:1-Siegtreffer - glücklich, aber verdient. Weingarten würde wohl noch am heutigen Freitag versuchen ein Tor zu erzielen, wäre es nicht zum Penalty gekommen. Die Heimfahrt musste über den Umweg Cafe am Niddaplatz erfolgen - hier wurde ich Zeuge einer Sensation in Hoffenheim, die bekanntlich die Bajuwaren traf. Auch am Sonntag stand Fußball auf dem Programm und an jenem Tag trieb es mich mit dem Rad ins Turmbergstadion. Auffallend: ein umfunktionierter Hartplatz, der wohl derzeit als Kräutergarten herhalten muss. Üppiges Gewächs, wo sonst die Kugel rollte. Gut zu wissen, wenn mal wieder der Thymian knapp wird. Das Spiel fand auf der anderen Seite des Vereinsgeländes statt, wo Rasenfläche ein optimales Podium bot. Die Durlacher standen symbolisch mit dem Rücken zur Wand, Germania kam als Siedler der Tabellen-Beletage in die Liebensteinstraße. Bei Hatz-Bügel-Bier sahen wir ein interessantes wie spannendes Spiel, dass auch aufgrund der Tatsache, dass auf beiden Seiten etliche Agenten kickten, die vor Wochen noch auf der gegenüberliegenden Seite ihr Salär verdienten, brisant erschien. Auch hier sahen wir einen Treffer in der Schlussphase - in dem Fall für die Heimmannschaft (2:2), die damit ihren ersten Punkt in der laufenden Saison einfuhren. Der Schlusspfiff von Referee Göpferich war wohl auch die Feierabend-Sirene des Kiosk-Verkäufers. Jene, die ihre Flaschen noch nicht leer hatten, mussten aufs Pfand verzichten.    

Sechs Treffer in acht Minuten

Der TV Spöck II zeigte dem Vizemeister aus Ettlingen II, dass man geringfügige Prägnanz zu einem Dreier nutzen kann. Im Spiel der B3 erzielten Bittner (2.) und Viola (6.) nach mageren sechs Minuten zwei Treffer für die »Turner« und die SSV II-Absicht, Souvenirs aus Stutensee in die Schlossfestspielstadt zu adaptieren, war erledigt. In den restlichen 84 Minuten konnten sich die Fans anderen Dinge widmen: das Spiel endete 2:0. Ähnlich erging es dem Karlsruher SV II beim Gastspiel in Blankenloch. Eine halbe Stunde zu spät kam der Gast aus der Kabine. Nicht, dass die Jungs aus der Waldstadt nicht anwesend waren…die Elf stand pünktlich auf dem Platz, doch, wie man zu sagen pflegt, neben sich. Krause, Nagel und Petillon nutzen das Schläfchen am Mittag, was zur einem komfortablen 3:0 nach 30 Minuten führte. Der KSV II kam zurück und erzielte zwei Treffer bis zur 83. Spielminute. Zu einem Punkt reichte es nicht mehr (C2). Der SV Hohenwettersbach favorisierte in der C1 eine ähnliche Vorgehensweise. Schnell und zielstrebig…die Jungs aus Wöschbach waren zu Gast und mussten nach einer Stunde feststellen, was mit der Zeit so anzufangen ist. Nach 59 Minuten stand’s 2:0 für den SV Hohenwettersbach. Eine Minute später 5:0…wobei Maximilian Schulze (4:0) beim Elfmeter womöglich Zeit brauchte, um anzulaufen. Am Ende gewann der SVH mit 8:1. Omar Türkaslan sorgte für höllisch geile Gefühle beim Neu-B-Ligisten FV Grünwinkel II, die schon zu einer frühen Stunde feststellten, dass die neue Klasse nicht nur eine »zu hoch« ist. Achtzehn Gegentreffer nach zwei Spieltagen (0:18); Spiel drei ließ man ins Wasser fallen und nun das…1:0-Führung gegen den FC Spöck II. Koch und Riffel drehten die Partie bis zum Pausengang und dennoch herrschte gute Stimmung in den Katakomben des »Spatzen«. Doch was dann in den letzten acht Minuten des Spiels geschah, war atemberaubend. Der FC Spöck II schraubte zwischen Minute 82 und 90 das Resultat von 1:3 auf 1:9 hoch, gleichzeitig der Endstand. Ob zwei Grünwinkler abgestellt wurden, um die Anspiele durchzuführen, wurde nicht übermittelt.  

Wettersbacher Serie endet krachend

»Aus und vorbei…und wie!« Neunundzwanzig Spiele war der SC Wettersbach unbesiegt, was einen Aufstieg von der Kreis- in die Landesliga nach sich zog. Sechs Punkte nach zwei Auftritten in der neuen Klasse motivierten wohl die gastgebende Gesellschaft aus Heidelsheim; einst Verbandsliga-Größe, nun in der Landesliga beheimatet. Nach neunzig Minuten stand ein 7:1 in der Festschrift - für den SCW ein brachiales Ende der Mega-Serie. Den Tag wird Florian Pallmann vom FV Ettlingenweier III schnell vergessen wollen. Das Spiel seiner »Dritten« gegen die Reserven des VfB Grötzingen stand lange im Wasser. Keine Tore…und als sich beide Verbände mit der Nullnummer zu arrangieren wussten, da überwand jener Pallmann den Schlussmann, Andreas Liebig. Leider spielen beide Mannen im gleichen Team, sodass sich die Grötzinger über den goldenen Treffer des Gegners diebisch freuen durften (C4). 

Ü-50-Torwart hält den Kasten sauber

Gerhard Anderer, Schiri-Urgestein aus Waldbronn-Etzenrot, musste im Rahmen der C2 trotz eines torlosen Unentschiedens en masse Notizen anbringen. Sechsmal Gelb und zweimal Rot im Kick des FC Viktoria Jöhlingen II gegen den VSV Büchig II. Da lachte Peter Barth, der eigentlich als die Ruhe in Person gilt. Er hatte die geschichtliche Über-Aufgabe, den Schwarzwald zusammenzuführen. Die SG Herrenalb/Neusatz-Rotensol erwartete zum C1-Treffen den SC Schielberg. Wer hier an Schinken, Bollenhut und Kuckucksuhr denkt, der schaut auch das Traumschiff im ZDF mit Kapitänsmütze und Pfeife im Mundwinkel. Ein umkämpftes Derby, dass Borussia Dortmund gegen den FC Schalke 04 wie Grimm’s Märchen erscheinen ließ. Zehn gelbe Kartons und eine gelbrote Karte musste Barth zücken. Treffer? Der Schielberger Robin Rieger schoss das goldene Tor. Der kickt allerdings inzwischen für die SG Herrenalb/Neusatz-Rotensol und ließ seine alten Kollegen wie Panade ohne Schnitzel aussehen. Last but not least eine Sensation in Staffort…sechzehn Spiele waren die Jungs aus Stutensee ohne einen Sieg und auch die Spiele der aktuellen Runde brachten keine Besserung. Nun kamen die Senkrechtstarter vom SV NK Croatia in die Waldstraße. Im Tor der Hausherren steht mittlerweile wieder Klaus Balogh, der weit über fünfzig ist und vor wenigen Jahren mit seinem 1000. Spiel seine Karriere beendet hat. Der hielt die Kiste aber sauber; obendrein kam’s auf der anderen Seite zu einem Treffer der Seinigen. Die Sensation des Tages und abermals eine Geschichte, die uns nur der Fußball bringen kann. 

Spitzenspiele im fusionswütigen Karlsruhe

Neue Storys werden am Wochenende kreiert. Schon am Freitag muss der KIT SC 2010 Karlsruhe zum geplagten TSV Oberweier reisen (A2, 19:00 Uhr). »Lotte« kommt am Samstag um 14 Uhr ins Wildparkstadion. Gemeint sind die Sportfreunde aus Lotte, die im Drittligaspiel in der Fächerstadt gastieren. Beim FC Neureut II kommt’s zum gleichen Zeitpunkt zum Duell mit dem B3-Vizemeister, SSV 1847 Ettlingen. Eine Stunde später gastiert der FC West II (C1) bei der Ersten der ESG Frankonia Karlsruhe, die bekanntlich in der Durlacher Allee ihr Zuhause haben. Wer den späten Kick bevorzugt, der kann sich um 17 Uhr im Jagdgrund einfinden. Der »Spanier« erwartet Bilfingen im Rahmen der Verbandsliga. Ebenfalls um 17 Uhr kommt’s zum Derby zwischen dem FC Neureut und dem FC West (Kreisliga). Was bringt der Sonntag neben herbstlichen 17 Grad und den Versuch, abzuschalten. Um 11 Uhr wird beim FC Germania Friedrichstal Spitzenfußball der Verbandsliga präsentiert. Der Sechste, Olympia Kirrlach, kommt zum Dritten. Nebenbei findet auf dem germanischen Gelände bajuwarisches Oktoberfest mit Dirndl, Haxen und Massbier statt. Die SpVgg Durlach-Aue, mit 0 Punkten Letzter der Verbandsliga, erwartet den Zweiten, VfR Mannheim. Derbytime in Ettlingenweier…um 15:00 Uhr erscheint der SV Langensteinbach beim FVE (Landesliga). Zum gleichen Zeitpunkt findet auf dem Gelände des ATSV Mutschelbach das Kreisliga-Spitzenspiel des Zweiten (ATSV Mutschelbach II) gegen den Ersten, FV Malsch, statt. Unweit entfernt empfängt der Dritte, FC Busenbach, den Ersten, SVK Beiertheim (A-Klasse, 15:00 Uhr). Weniger »spitz«, mehr Lokalkampf, bietet eines der wenigen Derbys, dass wir im fusionswütigen Karlsruhe noch bieten können. Schon um 13 Uhr treffen in Spöck die Reserven des FC und TV zusammen. Beide Teams stehen in der B3 ihren Mann und gehören zu den Guten der Zunft. 

Euch liebe Leser wünsche ich ein wasser- und windfreies oktoberfestdurchzechtes, frühherbstliches, fröhliches und lustiges Wochenende und wem der sportliche Turnaround zu wenig Humor bietet, der kann sich gerne den Wahlkampf zu Gemüte führen. Übrigens der einzige Wettkampf, bei dem die eine Seite nie verlieren kann (Politiker), die andere Seite nie gewinnen kann (Steuerzahler).

Allahopp, euer Oli

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