pfoschdeschuss (48): Dorffußball, Kartenflut & 627 torlose Minuten

Karlsruhe (pfo/ame) Nirgendwo schlägt das Herz für den echten Fußball höher als in den unteren Spielklassen. Der Torwart telefoniert während des Spiels mal kurz mit der Ehefrau, der Top-Stürmer verlässt nach einem Hattrick den Platz, weil er zur Nachtschicht muss und der Schiedsrichter pfeift Abseitssituationen auf Zuruf. Genau das macht den Amateurfußball so liebenswert. Wir berichten immer am Freitag gemeinsam mit Oliver Raupp von pfoschdeschuss.de über das Wichtigste aus Karlsruhes Unterklassen. Wer das nicht liest, hat den Fußball nie geliebt.

Schlachtfest in München

Oldschool am Samstagmittag. Der Karlsruher Spielplan im Schlummer-Modus, sodass ich nach der Maloche vorsah, mir bei einem Nullfünfer-Bügel, Kommerz-Gekicke im Radio anzuhören, wie zu den goldenen Achtzigern, als die Milka noch das Pils ersetzte und Profis Vollbärte trugen, um Zeiträume für Siegesserien zu dokumentieren. Da saß ich und hörte vom obligatorischen Schlachtfest, wenn Hamburger nach München pilgern, ohne mir ansehen zu müssen, wie Legionäre feminin das „Firmen-Logo“ auf der Brust küssen, dass sie nie zuvor sahen. Damals ersetzte der rustikale Torjubel, der darin bestand, zwei Fäuste Arme mit geballten Fäusten in den Himmel zu recken ohne dass eine Tanzeinlage gereicht wird, die zur Bewerbung bei Detlef Soost dient.

Viele gute Flanken – keiner in der Mitte

Doch am Sonntag musste es dann wieder „Dorffußball“ sein – mit allem, was dazu gehört. Die erste von zwei Stationen war die Wagenburg, wo Langensteinbach unter dem Deckmantel, „Sonotronic-Sportpark“ seine Heimspiele bestreitet. Dass die Reserve wertgeschätzt wird, erkannte man daran, dass die Pöhler im Stadion zu Gange sein durften - nicht alltäglich beim heutigen Rasenpflegewahn. Der Gast aus Spessart, stark abstiegsgefährdet, kam schnell zu einer soliden 2:0-Führung, die den Gastgeber dermaßen überraschte, dass gar nichts ging. Wenig aufmunternde Worte meines Nachbarn, der wohl seine Zuneigung der Heimmannschaft widmete „Letzte Woche gut gespielt - jetzt meinen Sie das geht automatisch so weiter.“ Die Langensteinbacher verloren 0:3 - und das an jenem Mittag nicht einmal unverdient. Auffallend … viele gute Flanken - auffallend … keiner in der Mitte.

B-Klassen-Sonntag am Horbenloch

Von der Jahnstraße bewegte ich mich klassengleich an die Wagenburg, wo ich zum zweiten Mal in dieser Saison den ATSV Kleinsteinbach sah (1.Spieltag in Reichenbach) und zum zweiten Mal eine Niederlage miterlebte. Wolfartsweier war galliger und gewann unter der Regie des neuen Verwalters, Uwe Esch, verdient 3:1. Ein Aufbäumen der Jungs von der B10 nebst der Autobahn - gesucht aber nicht gefunden. So ging ein B-Klassen-Sonntag am Horbenloch zu Neige. 

627 Minuten ohne Treffer

Wie in Stein gemeißelt rieben sich die Zuschauer in der Etzenroter Jahnstraße nach 79 Minuten die Augen. Ungläubig, als wäre Bud Spencer im rosa Kaninchen-Kostüm einer Holzkiste entstiegen, nahm man den Treffer von Christopher „Bonges“ Bongert wahr. Nach 627 torlosen Minuten auf Waldbronner Kunststoff in der Jahnstraße traf der Routinier ins gegnerische Tor. Übertroffen konnte jenes Ereignis nur noch werden, wenn die TSV-Buben nach 14 Spielen ohne Sieg einen Dreier einbehalten hätten - doch zwei Wunder an einem Tag ist selbst für Waldbronn eines zu viel.

„Nimm du mal“-Modus

Doch wir wurden am vergangenen Wochenende in der Realität von Serienenden umzingelt. Da verhaut Germania Karlsruhe II den SC Schielberg II mit 7:1 und schließt den Nimbus von neun Spielen ohne Sieg (C4). Der FV Liedolsheim (A1) besiegte den Karlsruher SV 3:0 und beendete eine Serie von 10 Spielen ohne. In der gleichen Liga kommt der FV Graben zu einem 1:0 im Kellerkampf gegen den FV Rußheim. Der erste Sieg nach elf Spielen ohne einen Dreier. Den Vogel schoss aber der „Kugelbax“ aus Auerbach II ab. Der 2:0-Erfolg über den TSV Wöschbach (C1) - der erste nach sagenumworbenen 21 Spielen ohne einen Sieg. Weniger Glück hatte der FC Spöck, der bereits 2:0 gegen den FV Malsch (Kreisliga) führte. Erst nach 54 Minuten sah sich der heimische FV gezwungen, etwas am Umstand zu ändern und begann mit der Aufholjagd. Hodzic, Hinsmann (72.) und Widy (82.) drehten die Geschichte … der FC Spöck wartet seit 18 Spielen auf einen Sieg; dicht gefolgt vom FC Berghausen (Kreisliga) und TSV Etzenrot (C1), die sich 15 Partien im Modus „Nimm du mal“ befinden.

Überraschender Sieg am Turmberg

Die „Spanier“ kamen zu einem überraschenden 2:1-Sieg am Turmberg. Überraschend auch deshalb, weil der ASV 6 Punkte in Serie holte und als wiederauferstanden galt. Dass war dem „Iberer“ aber dermaßen egal und gewann als Vorletzter der Verbandsliga in der Liebensteinstraße. Für die Herren, Becker, Motekallemi, Stolz und Carmona eine besondere Ehre. Alle haben Durlacher Vergangenheit - Letzterer wechselte erst zur Winterpause und traf entscheidend zum 2:1. In den Landesliga-Duellen, Reichenbach gegen Wettersbach (2:2) und Langensteinbach gegen Ettlingenweier (1:1) gab’s jeweils ein Remis.

Mit Schneider durch die Zwischenzeit

Einen „gebrauchten“ Tag erlebte der Kreispokalsieger, Ettlingenweier, im Heimspiel gegen Forchheim. Die Sportfreunde, Vizemeister auf Abwegen, gewann überaus üppig bei den „Krabben“ 5:0 (Kreisliga). In der gleichen Liga standen sich am Sonntag der VfB Knielingen und der ATSV Mutschelbach II im Frauenhäusleweg gegenüber. Am Ende hatten die Waldenser mit einem 2:1 den Stich vollzogen. Die Reserve des ATSV II auf Landesliga-Kurs? Nur wenn die Erste in die Verbandsliga aufsteigt. Die trennten sich bekanntlich von Coach Ronecker - der Neue steht mit Dietmar „Didi“ Blicker bereits in den Startlöchern zum 1.Juli. Die Karlsbader mussten handeln und engagierten Mirko Schneider für die Zwischenzeit. 

Der FV Leopoldshafen würde sehr gerne in die Kreisliga aufsteigen. Dieses Unterfangen ist möglich, doch wer den „Schröcker“ kennt, der weiß, dass dieser mit Launen behaftet ist. Nach dem 2:2 gegen GSK Karlsruhe errechnet der Blauweiße ein Punkt aus den letzten beiden Spielen … 

Sechs Gelbe – drei Rote

Kartenflut im Hardtwald - besser gesagt, auf dem Gelände der SpVgg Olympia Hertha Karlsruhe. Die hatten das Spitzenteam aus Neureut zu Gast und die Diskrepanz hätte knapper nicht sein können. Neuzugang, Maras, entschied die Partie mit dem Goldenen (0:1). Schiri, Simon Schmidt, musste sich am Ende des Spiels wie ein Ticketschalter der VBK gefühlt haben. Sechs Gelbe und drei Ampelkarten verließen seine Hemd-und Hosentasche - allesamt für die freche Hertha. Gar nicht angepfiffen wurde in Rüppurr, wo die SpG Rüppurr II den FV Hochstetten empfangen sollte. Es blieb das einzige Spiel in Gesamt-Karlsruhe, das ausfiel. Derby-Time am „Unteren Legel“ … der TV Mörsch und die FT aus Forchheim trennten sich remis (1:1,B2). 

„Wie kreiert man einen Drilling?“

Bereits am Freitag können unruhige Couch-Helden das Derby, FV Ettlingenweier gegen den ATSV Mutschelbach anschauen. Um 19.30 Uhr wird die Partie angepfiffen. Verbandsliga am Samstag auf der Paella Ranch am Jagdgrund. Elf Iberer (FC Español Karlsruhe) empfangen den aktuell etwas verstaubten FC Olympia Kirrlach (15.30 Uhr). Eine Stunde zuvor versucht sich der FC Spöck im Projekt, „wie kreiert man einen Drilling?“ Seit 18 Spielen haben die Blauweißen keinen Sieg mehr erlebt. Die SG Stupferich kommt um 14.30 Uhr zum Kreisliga-Kick. Nur um zu vermitteln, denn den Dreier würde man dann selber gerne einfahren. 

Der Sonntag steht ganz im Zeichen des Lokalkampfs, Um 13 Uhr erwartet der SC Wettersbach II den ASV Wolfartsweier (B2); die DJK Karlsruhe-Ost II erwartet den FSSV Karlsruhe II (C2). Ein Spitzenspiel kann man in der Neureuter Sandgrube ausgraben. Der FC 08 Neureut II gewährt dem VfB 05 Knielingen II Einlass (B3).

495 Minuten ohne Gegentreffer

Verbandsliga-Spitzenreiter, Germania Friedrichstal, freut sich auf den Besuch des ASV Durlach (15 Uhr). Ein Spiel, das es in sich hat. Lokalkampf in Dettenheim, wenn der Letzte zum Vorletzten pilgert. Eine Konstellation, die Feuer ohne Zündung hervorruft. Der FV Rußheim erwartet im A1-Spektrum Liedolsheim (15 Uhr). Und wenn der Benzinpreis es zulässt, dann wird man mich im Saalbach-Stadion antreffen. Seit 495 Minuten haben die Neureuter Germanen keinen Gegentreffer mehr einstecken müssen. Nun kommen die „Siedler“ aus Kirchfeld II an den Schulberg, die das Hinspiel überraschend gewannen (A1,15 Uhr). Im Stadtbetrieb erwarten die Ost-Jungs um Willy Hatz den Nachbarn, FSSV Karlsruhe (B1,15 Uhr). Wer im Albtal zuhause ist, der kann nach Ittersbach düsen. Um 15 Uhr erwartet der heimische VfR den SV Völkersbach (B2.)

Bei so viel Lokal-Kampf wächst der Bierdurst. Ihnen liebe Leser und Fans des regionalen Kicks wünschen wir ein besinnliches Wochenende. Nach einem kräftigen Mittagessen wartet der Mittagskick samt Zubehör auf euren Besuch. Allahopp, euer Oli     

 


 

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